In einem Monat halb um den Kontinent - Teil 1

28Mai2014

Ay Karumba!


Es ist zwar schon ein Weilchen her, dass wir an Karumba in Queenslands Norden vorbei getuckert sind, wo dies natürlich die coolste Begrüßung schlechthin ist, aber ich fand's jetzt irgendwie trotzdem witzig.
Wer jetzt aufmerksam gelesen oder Karumba sofort via Google Maps lokalisiert hat (ich kenne dich, Mama), wird bemerkt haben, dass wir seit dem letzten Blog mal wieder eine Unzahl an Kilometern hinter uns gebracht haben.
Und zwar sind wir inzwischen in Cairns, an Australiens nordöstlicher Küste, und haben seit Aufbruch in Perth noch weit mehr Strecke zurückgelegt als die über 8000km von Melbourne dorthin. Diesmal haben wir also nicht so viel Zeit überall gehabt und sind im Verhältnis mehr gefahren, haben aber trotzdem wieder einen Haufen berichtenswerter Erlebnisse und sehenswerter Anblicke gesammelt, die ich - in diesem für euch und mich hoffentlich kürzer ausfallenden Blog - mit euch teilen kann :)

EDIT nach Fertigstellung: Hoffnung umsonst, dieser Blog hat 15,904 Wörter und bei Word in Schriftgröße zehn 23 Seiten. Auf Tobis Handy, auf dem ich hauptsächlich während des Fahrens geschrieben habe, hört das Scrollen minutenlang nicht auf ^^ Viel Spaß! :D


27. bis 28.04.14

Rest Perth

Kurz nachdem ich den letzten Blog am Sonntag, unserem vermeintlich letzten Tag in Perth, veröffentlicht hatte, buchten wir noch eine Werkstattinspektion für Joey, die auch Öl- und Filterwechsel sowie eine Rundumreinigung beinhalten sollte. So verbrachten wir dann auch noch den Großteil des Montags in der Stadt. Joey wurde von den Mechanikern ein außergewöhnlich guter Zustand für ein Auto dieses Alters attestiert - selbst mit nicht funktionierender Zentralverriegelung, einem fehlenden Zusatzscheinwerfer (ich berichtete) und dem Fensterheber mit Wackelkontakt. So weit, so gut! Sogar den fehlenden Zusatzscheinwerfer liessen wir reparieren, sodass unser Süsser nun wieder topfit für weitere Abenteuer war. Nachdem Tobi auch noch auf Gumtree - einer Art größerem ebay-Kleinanzeigen - einen superbilligen Neoprenanzug fand, den wir aus dem Weg aus der Stadt auch noch aufgabelten, waren wir rundum zufrieden mit unserer Beute.
Wir besuchten noch Perth's berühmten Kings Park, der auch den für australische Großstädte obligatorischen Botanischen Garten enthält, und genossen einmalige Ausblicke auf die Stadt und den Fluss sowie eine schwebende Glasbrücke durch die Eukalyptuswipfel. Fast wie der Treetop Walk, möchte ich behaupten, und dazu noch umsonst! Guter Dinge fuhren wir im Dunkeln noch ca 150km aus der Stadt raus, um auf einem Rastplatz eine günstige Nacht zu verbringen.


Ein wunderschönes Denkmal im Kings Park, das erste woran man vorbei kommt Geniale Aussicht auf Perths Skyline und den Swan River Die Kings Park Version vom Treetop Walk


29.04.14

Auf gen Norden: die Pinnacles und Cervantes

On the road again! Irgendwie war uns das Wochenende in Perth sehr lang geworden und wir waren froh, wieder unterwegs zu sein. Kann man sowas wie eine Reisesucht entwickeln? Wenn ja, haben wir sie jedenfalls.
Es ging nun über den North West Coastal Hwy die westaustralische Küste rauf, an der sich die Sehenswürdigkeiten und Attraktionen wie an einer Perlenschnur aufreihen - mit ordentlichen Entfernungen zwischen den Perlen. 
Unser erstes Ziel kurz nach Mittag war der Nambung National Park ca 200km nördlich von Perth, in dem sich die recht berühmten Pinnacles befinden - Tausende von Kalksteinnadeln mitten in der Wüste. Spannend ist, dass ihre Entstehung immer noch nicht hundertprozentig geklärt ist - es mögen die (später versteinerten) Wurzeln damaliger Bäume verantwortlich sein, die den sich zu Kalkstein formenden komprimierten Muschelstaub zusammengehalten und vor der Auswaschung des umgebenden Erdbodens bewahrt haben. Die entstehenden Säulen sind mit der Zeit zwar verwittert, sind aber teilweise noch richtig hoch - einige bestimmt 3-4m - und bieten einen bemerkenswerten Anblick. Nach dem wir den Aussichtspunkt erklommen hatten, wollten wir noch mit Joey eine Runde auf der durch die Formationen führenden Straße drehen - was wir jedoch nicht erwartet hatten, war, kilometerlang auf einem einspurigen, mit Felsbrocken markierten Weg einfach über den Wüstensand mitten durch die verschiedenen Ansammlungen hindurch cruisen zu können! So wurde es unerwarteterweise auch noch zu einem kleinen Offroad-Abenteuer und wir hatten jede Menge Spaß - neben der einzigartigen Landschaft eine rundum gelungene Aktion. 

sich verändernde Landschaft entlang des Indian Ocean Drives in Richtung Cervantes eine der riesigen Sanddünen der Gegend, die wir von weiter weg für Wolken gehalten hatten Die Pinnacles mit Joey mitten durch! ein Emu zwischen den Steinsäulen :)

Wir besuchten noch den nebenan an der Küste liegenden Ort, das kleine Cervantes, in wessen Touristen Information - an einer Theke im Supermarkt untergebracht - wir eine sehr nette Dame trafen, die uns gehörig festquatschte. Nachdem wir ihr unsere halbe Lebensgeschichte dargelegt hatten, ging es noch zum ebenfalls hier befindlichen Lake Thetis, einem küstennahen See, in dem sich eine der weltweit sehr seltenen Ansammlungen von lebenden Stromatoliten befindet: Kolonien kleinster Bakterien im flachen Wasser, die wie kuchenförmige Felsen aussehen. Es handelt sich um einige der ältesten Lebewesen auf dem Planeten, die eine Hauptrolle beim Schaffen unseres jetzigen Klimas gespielt haben. Wir sollten zwar einige Tage später in Shark Bay eine noch viel bessere Kollektion sehen, aber da dies die erste war, fanden wir sie schon ziemlich cool.
Nachdem wir noch den Hansen Bay Lookout erklommen hatten, von dem es mehr oder minder beeindruckende Aussichten auf die umliegende Küstenlandschaft gab, fuhren wir weiter gen Norden und campten auf einem Parkplatz am Meer, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genossen.

Die Stromatoliten am Lake Thetis Hansen Bay Lookout der schöne Sonnenuntergang am Rastplatz in den letzten Zügen


30.04.14

Hutt River Province und Kalbarri

Am nächsten Morgen mussten wir, hust, erstmal Tobis beim Angeln an Felsen hängen gebliebenen Blinker schwimmend aus der starken Brandung retten - so ein 3$-Köder wird ja nicht zurückgelassen. Peinlich. Gut, dass diese beschämende Aktion nur Surfer und nicht etwa andere Angler mitbekommen haben.
Auf der Weiterfahrt bot sich uns erstmal ein skurriler Anblick: in der Gegend des Dörfchens Greenough wachsen die Bäume nämlich häufig nicht vertikal in die Höhe, sondern knicken nach wenigen Zentimetern ab in die Horizontale. Es liegt wohl an den vorherrschenden Winden, die dieses 'leaning trees' genannte Phänomen erzeugen. Ein echt seltsamer Anblick.



Am heutigen Tag hatten wir uns einiges vorgenommen, und so machten wir in Geraldton, der größten Stadt für viele, viele Hunderte Kilometer, nur einen kurzen Tankstop und begnügten uns mit dem, was wir so beim Vorbeifahren von dem Küstenstädtchen sahen. Nur eine 1$ Frozen Coke gönnte ich mir noch, bevor es in Richtung Kalbarri an die Küste ging - mit einem kleinen Abstecher zur sogenannten 'Principality of Hutt River', von der zwar kein Sterbenswörtchen in sämtlichen Reiseführern steht, die ich jedoch in 'Australien im Kopf' sowie als Randnotiz in der Kalbarri-Broschüre ausfindig gemacht hatte. Eine irre komische Sache, ich hatte aus den Beschreibungen entnommen, dass hier 1970 ein Farmer seinen eigenen Staat ausgerufen und sich von Australien losgesagt hat und seitdem über sein eigenes kleines Königreich mitsamt Untertanen regiert, vollkommen unabhängig vom 'Nachbarstaat' Australien. Das wollten wir uns doch ansehen! 
Erwartet hatten wir ein kleines Örtchen im Farmland, mit Touristenschabernack wie einem Regierungsgebäude, Museum etc, wo sich entsprechend einige Besucher tummeln und von Angestellten versorgt werden. "Aber ich hätt' natürlich nie diesen Blog geschrieben, wenn es wirklich so gewesen wär!"
Komisch war schon, dass der gesamte Anfahrtsweg unbefestigt war - ein einsames Schild beschriftet mit 'Locality of Hutt River' wies vom Highway aus in die Pampa, wo auf ca. 50km Feldweg außer einem Echidna am Straßenrand nicht viel, im Sinne von kein, Betrieb herrschte. Erst fuhren wir an der Abzweigung zum Königreich glatt vorbei, und erst einige Hundert Meter später wurde uns klar, dass die wie ein besseres Farmtor aussehende Einfahrt zu einem souveränen Staat führte. Kaum waren wir hindurch, kamen auch wirklich die ersten Gebäude in Sicht - nur waren die irgendwie anders als wir uns das vorgestellt hatten: einer Ansammlung von ca. 5 besserer Hütten und kleiner Farmhäuschen wurde durch den vor einem löchrigen Schuppen geparkten weißen Rolls Royce ein extrem skurriler Anblick verliehen. Außerdem war weit und breit kein Tourist und auch sonst niemand in Sicht - bis uns ein verhutzelter alter Mann auffiel, der uns aus seinem Vorgarten heraus anscheinend misstrauisch beobachtete. Summa summarum irgendwie merkwürdig, und wir überlegten schon, uns - wörtlich - wieder vom Acker zu machen, als besagte Person sich anschickte zu uns rüber zu kommen und wir dann doch lieber schnell ausstiegen und zu ihm gingen, um keinen unhöflichen Eindruck zu machen. Zum Glück: Der in Cordhose und Flickenjacke gekleidete, unscheinbare Mann um die 80 stellte sich per Handschlag als Prince Leonard vor - mit verschmitztem Grinsen meinte er, ihm gehöre der ganze Verein hier und er würde uns in seinem Lande willkommen heißen. Unglaublich! Wir bekamen eine ca. halbstündige royale Führung seines ganzen Anwesens, vom Museum mit allerlei Urkunden und Geschenken von Staatsträgern aus aller Welt sowie Fotos von ihm auf Empfängen mit wichtigen Persönlichkeiten, über das Regierungsgebäude - in dem es einen kleinen Tresen mit Flagge dahinter und für uns Ein- und Ausreisestempel in die Pässe gab - bis hin zu seiner kleinen Kapelle, die seiner 2013 verstorbenen Ehefrau Princess Shirley gewidmet ist. Er war mit Feuereifer bei der Sache und sichtlich stolz auf all seine Errungenschaften, berichtete mit viel Humor von der 'Zeit der Abspaltung', als er sich aufgrund eines Streits um Ernterechte mit der westaustralischen Regierung von seinen jetzigen Nachbarn lossagte, und erzählte viele Anekdoten von Reisen nach Übersee und den Problemen mit der internationalen Anerkennung seines Staats - die seiner Ansicht nach völlig unberechtigt sind: 'Hutt River was founded in 1970: we're twice as old as Germany!'
Er hat mich teilweise etwas an meinen ehemaligen Mathelehrer Herr Friede erinnert, vor allem mit seiner Leidenschaft für Mathematik und Forschungen in dieser Richtung - eigens dafür hat er das 'Royal College of Advanced Research' gegründet, das wie ich glaube nicht real existiert und auch nur seine Person beinhaltet, in dessen Namen er aber wichtige wissenschaftliche Publikationen vornimmt, die zumindest auf nationaler Ebene wohl großen Anklang finden.
Alles in allem eine echte australische Koriphäe, wie er da alleine mit seinem Rolls Royce und kleinem Häufchen Untertanen in seinem eigenen Staat lebt, seine Farm bewirtet und mathematische Theorien aufstellt - an ihn werden wir uns sicher noch lange erinnern.

Landschaft auf dem Weg zur Prinicpality of Hutt River da hatte sich das süße Echidna leider schon eingekugelt, vorher hatte es neugierig am Straßenrand gestanden und herumgeschnuppert... süß! Einfahrt zu einem Königreich! die kleine Ansammlung von Häuschen Prince Leonard und Tobi mit unseren Visa am Gedenkstein

Wir hätten niemals erwartet, so viel Zeit bei Prince Leonard zu verbringen, und waren entsprechend spät dran für die restlichen Ziele des Tages - so schnell es irgend ging düsten wir also weiter in Richtung Kalbarri, machten auf dem Weg kurz Halt an einem See mit ungewöhnlicher Tönung, passenderweise 'Pink Lake' genannt, und kurz vor dem Örtchen selbst dann an mehreren Aussichtspunkten an der wunderschönen Küste, wo schroffe Klippen steil in den tiefblauen Indischen Ozean abfielen. Sehr beeindruckend! Durch Kalbarri selbst jagten wir mit einem Affenzahn hindurch, galt es doch noch bei Tageslicht in den dahintergelegenen Nationalpark gleichen Namens zu gelangen, der für seine Schluchten und Wanderwege berühmt ist. Im Licht der schwindenden Sonne eilten wir zur berühmtesten Felsformation des Parks, die mir - mal wieder - von einer Postkarte von Opa Günther ein Begriff war. Das 'Nature's Window' ist ein schuhförmiges Loch in einer Felswand, das einen perfekten Ausschnitt der dahinterliegenden Landschaft umrahmt. Obwohl wir es nur noch im Halbdunkeln sahen ziemlich cool. Leider verpassten wir ob der einsetzenden Dunkelheit alle anderen tollen Aussichtspunkte des Parks - wir fuhren noch zu einem hin und kraxelten im Dunkeln über Stock und Stein zum Lookout auf den Z-Bend, wo man - oh Wunder - aber nicht mehr besonders viel erkennen konnte (ratet, wer auf dieser Aktion bestanden hatte...). Siehe Fotos.
Wo wir schon mal da waren, beschlossen wir dann aber noch den am Aussichtspunkt bereitgestellten Grillplatz zu nutzen, um uns im Stockfinstern leckere Wraps zu machen. Crazy.
Anschließend fuhren wir noch um die 150km und pennten as always auf einer rest area.

Das surreale Wasser des Pink Lakes, erzeugt durch diesen Farbstoff produzierende Algenkolonien selbst die Pflanzen am Lake sind pink! Die beeindruckende Küste vor Kalbarri ♥ Herrlich! Blick auf Kalbarri recht weit dahinten Auf dem Weg zum Nature's Window: die wunderschöne Szenerie im Kalbarri Nationalpark bei schwindendem Licht Nature's Window Haha :D

In einem Monat halb um den Kontinent - Teil 2

28Mai2014

01.05.14

Shark Bay und Francois Peron National Park

Am nächsten Morgen ging es wieder früh los, denn auch heute hatten wir ein volles Programm. Vom Overlander Roadhouse ca 100km nördlich von unserem Rastplatz bogen wir ab auf den World Heritage Drive ins Weltnaturerbe Shark Bay, welches als eines der ganz wenigen weltweit alle 4 Kriterien zur Nominierung erfüllt. Die szenische Entdeckerroute, die über die Halbinsel bis zum Örtchen Denham führt, bietet viele wunderschöne Aussichtspunkte auf die von roten Klippen, weißem Sand und türkisblauen Wasser geprägte Küstenlinie, und führt an den einzigartigen Sehenswürdigkeiten vorbei, die dieser Gegend internationale Bedeutung verleihen. Der erste solche Stop ist Hamelin Pool, in dem sich die zuvor schon erwähnte bestens erhaltene Ansammlung von Stromatoliten befindet. Aus gutem Grund: das Wasser hier ist so flach, dass es von der Sonne sehr stark aufgeheizt wird, was zum einen zu konstant erhöhten Wassertemperaturen, zum anderen zu einem erhöhten Salzgehalt ob der schnelleren Verdunstungsrate führt (schilfartige Gewächse verhindern den ständigen Austausch mit dem kühleren Wasser des umgebenden Ozeans): optimale Lebensbedingungen für die Stromatoliten, die hier seit Milliarden (!) von Jahren ihre Kolonien bauen. Entsprechend ist das flache Uferwasser des Sees übersät von Hunderten der kuchenförmigen Felsen, die wir auch schon vom Lake Thetis kannten, nur in viel größeren Zahlen und weitaus besser erhalten - ein richtiges Labyrinth im flachen Wasser, ein extrem eigenartiger Anblick.

Die skurrile Landschaft am Hamelin Pool: über... ..und auch unter Wasser.

Der nächste Anlaufpunkt auf dem Explorer Drive war der Shell Beach: ein weißer Strand, der nur aus Myriaden kleinster Muscheln besteht. Ebenfalls irre! 

Shell Beach alles kleinste Muscheln! Unglaublich irgendwie, dass die nicht längst zerbröselt sind... gefällt mir ! :)

Wir sparten uns den Abstecher zum westlichsten Punkt des australischen Festlandes, da die Straße dorthin und auch der Punkt selbst nicht besonders spektakulär sein sollten (der Name 'Useless Loop' sagt ja alles), und fuhren stattdessen durch Denham an den nördlichen Zipfel der Halbinsel in den Francois Peron National Park, renommiert für seine Salzseen, steppenartiges Gestrüpp, rote Sanddünen und glasklares türkises Wasser - und erstklassiges Offroad-Fahren! Schon im Denhamer Visitor Centre wurden wir gewarnt, es würden "oft" Leute stecken bleiben und wir sollten uns das bloß gut überlegen. Klingt perfekt! x) Die Pisten waren tatsächlich extrem sandig und voller Schlaglöcher, teils dienten auch die Salzseen als Straße. Doch nachdem wir einige Luft aus den Reifen gelassen und Joey in den Allradbetrieb eingestellt hatten, war es zwar abenteuerlich, aber kein wirkliches Problem für unseren kleinen Panzer. Wir holperten zu einer großen Lagune, wo wir den Nachmittag verbringen wollten - auf den Bildern hatte sie schon wunderschön ausgesehen, in Wirklichkeit war das Zusammenspiel von rotem Sand und hellblauem Wasser noch viel beeindruckender. Ein fantastischer Ort, an dem wir ein wenig wanderten (d.h. ein paar Dünen erklommen), angelten und picknickten. Schön, mal ein wenig zu entspannen von dem ganzen Fahrstress! Wir traten gerade so früh genug den Rückweg an, um den sandigen Teil der Strecke noch im Hellen hinter uns zu bringen - wieder ohne größere Probleme - und fuhren noch über 250km gen Norden bis kurz vor Carnarvon.

  bei schönerem Wetter sicher noch szenischer: Ausblicke entlang des Weges nach Denham ab in den Francois Peron: Tobi lässt Luft aus Joeys Reifen ab ...und bei dieser Strecke war das wohl auch nötig! Fast angekommen an der großen Lagune, sah von weitem schon wundervoll aus! Joey kurzerhand am Strand geparkt.. ..und ab zum Strand! :) Ich lief überall ein wenig herum und genoss die Landschaft, während Tobi Algen aus... ,,,dem glasklaren Wasser fischte. ^^ Genial!

 

02. bis 08.05.14

Am Ningaloo Reef: Coral Bay und Exmouth

Am nächsten Morgen fuhren wir so früh wie wir es irgendwie aus den Betten zu krabbeln schafften nach Carnarvon, wo ein paar Einkäufe, Volltanken und ein Besuch im Visitor Centre anstanden. Wir waren nun kurz vor der Halbinsel, an der das 'Ningaloo Reef' liegt, nach dem Great Barrier das zweitgrößte Riff Australiens, und außerdem das am leichtesten zugängliche - teilweise liegt es nur 100m vor der Küste und ist so sehr viel einfacher erreichbar als das weit draußen liegende Great Barrier. Ich hatte im Reiseführer und in "Australien im Kopf" von der sagenhaften Unterwasserwelt, den Korallenbänken und dem Tierreichtum (Wale, Delfine, Walhaie, Schildkröten, Riffhaie, Mantarochen, Orcas, und natürlich Tausende Arten bunter Rifffischchen) dieses Riffparadieses gelesen, und freute mich seit Kalgoorlie Boulder, wo ich die erste Broschüre aufgesammelt hatte, schon auf diesen Teil Westaustraliens. Neben dem Schnorcheln ist die beste Möglichkeit, das Riff zu erkunden, natürlich das Tauchen, und nach einigem Hin- und Herüberlegen hatte ich beschlossen, hier meinen Tauchschein zu machen - am Great Barrier Reef würde ich den ja eh noch brauchen und so lohnte es sich irgendwie doppelt. 
Neben dem gibt es am Ningaloo die einzigartige Möglichkeit, mit den größten Fischen der Welt zu schwimmen - große Zahlen von Walhaien sind zwischen April und Juli für das alljährliche  'Coral Spawning', bei dem alle Korallen am Riff simultan ihre Samen ins Wasser freilassen und so für eine Explosion des Lebens sorgen, in der Gegend und so gibt es eine Handvoll von Veranstaltern in Exmouth, der zentralsten Stadt direkt am Riff, die Schnorchel- und Tauchtouren mit diesen Meeresgiganten anbieten. Dass dies einer der einzigen Orte weltweit ist, wo diese fantastischen Tiere regelmäßig anzutreffen sind, treibt natürlich die Preise für diese einmalige Chance extrem in die Höhe, und für den vollen Preis hätte ich mir so eine Tour nie leisten können bzw. wollen.

Ich hoffte jedoch, in Verbindung mit meinem Tauchkurs einen erheblichen Rabatt für die Walhaie zu bekommen - und siehe da, nach einer halben Stunde im Internet im Carnarvon Visitor Centre und ein wenig Herumtelefonieren hatte ich einen Anbieter gefunden, dessen Tauchkurs zwar minimal teurer war als der aller anderen, bei dem ich jedoch die Walhaitour dafür umsonst bekam. Unglaublich gut! Ich sagte sofort fest zu und verabredete mich mit der Tauchlehrerin am nächsten Tag in Exmouth. Genial!

Ich war überglücklich und so fuhren wir frohen Mutes die Ningaloohalbinsel hoch über den südlichen Wendekreis nach Coral Bay, einem kleinen Örtchen am Riff südlich von Exmouth, wo wir ein wenig schnorcheln wollten. Wir waren gerade am Town Beach angekommen und in unsere Neoprenanzüge geschlüpft - Tobi in seinen in Perth erstandenen, der wie angegossen passte, ich in einen Shortie den Fred uns mit Joey hinterlassen hatte (passte jetzt nicht so :D) - da sahen wir eine Traube von Menschen am Wasser stehen, denen von einer Führerin irgendwas erklärt wurde. Wir watschelten so schnell wie möglich hin und bekamen so noch die hier wohl alltäglich stattfindende Snapper Fütterung mit (recht große werdenden Küsten- und Rifffischen, die vor allem als ausgezeichnete Speisefisch bekannt, aber auch schön anzusehen sind!), bei der die Touris unter der Aufsicht und Anleitung einer Beauftragten der Stadt die Horden von großen Snappern mit Biofutter füttern dürfen. Erst waren wir ziemlich skeptisch, aber es wurde erklärt, dass die Touristen sonst auf eigene Faust Essensreste und anderes an die Fische verfüttern und damit das ganze marine Ökosystem vor Coral Bay stören. Um das zu verhindern übernimmt die Stadtverwaltung jetzt selbst eine kontrollierte und überwachte Fütterung einmal täglich, was dem Problem wohl Abhilfe schafft. Wie auch immer, da wir schon all unser Schnorchelzeugs anhatten, konnten wir so zwischen den Schwärmen von Snappern umherschwimmen und sie von unterhalb der Wasseroberfläche beobachten, was schon ziemlich cool war. Auch später bei der Erkundung des restlichen Riffabschnitts vorm Strand sahen wir viele große Fische, Korallen und natürlich riesige Schwärme Kleinstfischchen. Besonders die leuchtenden Farben einiger Arten zogen mich in ihren Bann - von intensiv grün, gelb, pink, rot und blau war absolut alles dabei und manchmal alles auf einem Fisch. Wunderschön! Da bekommt man doch noch mehr Lust auf's Tauchen draußen am richtigen Riff.

Mit Joey über den südlichen Wendekreis (Tropic auf Capricorn auf englisch) Der Strand und... ...das Schnorcheln vor Coral Bay

Kurz bevor es dunkel wurde verließen wir Coral Bay und fuhren noch weiter nördlich die Halbinsel rauf zur "Bullara Outback Station", einer der großen Farmen mit Tausenden (!) von Rindern und Schafen auf einem riesigen Anwesen, die häufig auch Touren über ihren Besitz und rustikale Unterkünfte sowie Camping anbieten. So auch diese, und nachdem ich von Carnarvon aus bei einigen Campingplätzen in Exmouth angerufen hatte und mir bei den genannten Preisen fast der Hörer aus der Hand gefallen war, hatten wir Bullara als günstige und sicher authentischere Alternative herausgesucht. Wir kamen noch vor Einbruch der Dunkelheit dort an und wurden von der supernetten jungen Besitzerin und ihren Hunden begrüßt, von denen ein kleiner Yorkshire Terrier uns sofort ins Auto hopste und es sich auf meinem Schoß gemütlich machte. Er war eine richtige Persönlichkeit der Farm und man stieß immer und überall auf ihn - witzigerweise hieß er Toby, war meinem Tobi aber trotzdem irgendwie suspekt mit seiner Quirligkeit. Ich glaube, Nika hat ihn längerfristig traumatisiert. 
Wir verbrachten einen wunderschönen Abend am Lagerfeuer und unterhielten uns mit anderen Reisenden, erkundeten ein wenig die Farm und waren von ihrem urigen Outbackcharme absolut begeistert - wann duscht man schonmal in einem offenen Holzverschlag unter dem australischen Sternenhimmel? Etwas ganz Besonderes.

Campen auf der Farm Toby und Tobi (der hier gezwungen wurde Begeisterung an den Tag zu legen) Der Kracher: 'Bathroom', mit Anfeuerholz für heißes Wasser direkt davor Da bekommt 'rustikal' eine ganz neue Bedeutung! Auch die Campküche war echt urig.. und Toby ist sowieso immer überall mit von der Partie!

Frühmorgens ging es am nächsten Tag los in Richtung Exmouth - jedenfalls in der Theorie, in der Praxis dauerte natürlich wie immer alles etwas länger, es musste noch dem Hund auf Wiedersehen gesagt werden, und so kamen wir erst am späten Vormittag im 70km weiter nördlich an der Spitze der Halbinsel liegenden Exmouth an. Zuerst ging es wie meistens ins Visitor Centre, denn Tobi wollte sich über verfügbare Tauchtouren ans Riff informieren - er hatte seinen Grundtauchschein ja schon in Deutschland gemacht und wir gingen beide davon aus, dass der hier reichen würde. Seltsam war schon, dass nur zwei der insgesamt bestimmt fast zehn Anbieter überhaupt Tauchtrips machten - bei den meisten gab es nur Schnorchel- und eben Walhaitouren, obwohl in ihren Broschüren auch Tauchoptionen aufgeführt waren. Noch nicht mal der Veranstalter, bei dem ich meinen Tauchkurs gebucht hatte, machte volle Tauchtouren - die Tauchgänge würden wohl vom Walhaiboot aus gemacht. Interessant, erklärt auch warum die Walhaie damit umsonst kommen. Naja, wussten wir das zumindest schonmal.

Anschließend fuhren wir dann zu 'Ningaloo Whaleshark Swim', dem Anbieter mit dem ich gestern den Kurs gebucht hatte, auf den ich mich so freute. Und wurden bitter enttäuscht: der wenig engagierte Angestellte in ihrem Shop wusste nichts von einem anstehenden Tauchkurs, rief mal bei seiner Chefin an - mit der ich gestern wohl geredet hatte - und meinte dann, nee, das ginge leider nicht, die zweite Person die für den Kurs nötig wäre sei leider abgesprungen und überhaupt habe man im Moment gar keine Zeit für einen Tauchkurs neben all den Walhaitouren. Bitte was? Und das hätte man mir nicht irgendwie gestern am Telefon mal sagen können, statt mir den Kurs fest für Montag (es war Samstag) zuzusagen? Ihr Ernst? Er zeigte sich nicht sonderlich gerührt und meinte, er könne da auch nichts machen.

Als wir wieder im Auto saßen, hätte ich echt heulen können (ehm, hab ich natürlich nicht, hust) - alle anderen Tauchkurse waren mir ohne die Option der Walhaie dabei eigentlich zu teuer und ich hatte mich im Vorfeld einfach schon so sehr auf diesen Kurs eingeschossen, dass ich jetzt ziemlich am Boden zerstört war. Eine andere Möglichkeit, das Riff zu sehen, gab es schließlich nicht, und unverrichteter Dinge wieder zu fahren, wo wir fast eine Woche für Exmouth und das Tauchen eingeplant hatten, war eine deprimierende Aussicht für mich. Trotzdem fuhren wir noch zum Exmouth Dive Centre, einem weiteren Anbieter der die ganze Palette von Walhai- und Schnorcheltouren sowie Tauchkursen anbietet, aber auch dem einzigen der richtige Tauchtrips zum Riff macht (der zweite Veranstalter bot nur Tauchgänge vom Land aus an), nach denen Tobi sich erkundigen wollte. Und es folgte die nächste Enttäuschung: Tobis Grundtauchschein war nicht ausreichend, um an einer ihrer Tauchtouren teilzunehmen, da er a) nicht genügend Freigewässer-Tauchgänge hatte und b) bei der europäischen Tauchorganisation CMAS war und das PADI-zertifizierte Zentrum diese deshalb auch nicht mit ihm vervollständigen konnte. ARRGH! Wir waren sauer und traurig und natürlich extrem enttäuscht zugleich und verbrachten gefühlte zwei Stunden auf dem Exmouth Supermarktparkplatz, unsere Optionen diskutierend. Eigentlich hatten wir beide keinen Bock mehr auf den ganzen Haufen und wollten aus Protest einfach weiterfahren, aber es war auch klar, dass wir uns später riesig darüber geärgert und echt das Gefühl gehabt hätten, etwas verpasst zu haben. Nachdem Tobi also im Internet nachgeschaut und festgestellt hatte, dass kein einziges Tauchzentrum in ganz Australien CMAS-zertifiziert ist und er somit also auch am Great Barrier Reef nicht hätte tauchen können, und mir klargeworden war, dass es dort ja genauso teuer sein würde, einen Tauchschein zu machen, marschierten wir zähneknirschend zum circa fünften Mal an diesem Tag ins Exmouth Dive Centre (wir waren zwischendurch immer wieder Details über Tauchkurse und -touren nachfragen gegangen), wo die nette junge Angestellte schon grinste, als sie uns sah. Hier hatten wir echt den mit Abstand nettesten Service und ehrliche Beratung bekommen (plus kostenloses Internet obwohl es eigentlich kostet, weil wir so arme Pupser waren), zudem war es der erfahrenste Anbieter und wirkte als Veranstalter von richtigen Tauchtouren auch professionell - Tauchen war Hauptaugenmerk, nicht wie bei den anderen Anbietern Nebeneinnahmequelle. Also bissen wir in den sauren Apfel und buchten einen Tauchkurs für uns beide, und bekamen als Trostpflästerchen 10% Rabatt (bei solchen Summen Geld richtig viel), für den sie persönlich bei ihrer Chefin und danach sogar noch beim Eigentümer des Unternehmens anrief. Alles natürlich rein aus Eigeninitiative, nicht dass wir sie dazu gedrängt hätten... Außerdem waren wir zwei die einzigen Schüler, würden so praktisch Einzelunterricht bekommen und durften auch den Termin selbst wählen, während wir bei anderen Anbietern eine ganze Woche hätten warten müssen, um dann mit einer zehnköpfigen Gruppe Spaß zu haben.

Wir legten den ersten Praxistag also auf Montag, bekamen die Mappen mit den Theorieunterlagen, die wir bis dahin durcharbeiten mussten, und fuhren mit der Hoffnung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, zum günstigsten Campingplatz um Exmouth fast 40km außerhalb. Den günstigen Preisen und der Abgeschiedenheit zufolge waren die Annehmlichkeiten nicht besonders luxuriös und es gab noch nichtmal Süßwasser zum Duschen oder Abwaschen - nur 'bore water', salziges Grundwasser - aber die Besitzerin war sehr nett und bemüht, allen einen schönen Aufenthalt zu bescheren - eines Abends musste ich sie in ihrem kleinen Häuschen auf dem Camp aufsuchen weil wir zu spät vom Kurs zurückgekommen waren, um noch zu bezahlen, und sie lieh uns Jacken und ihren Schirm für den Weg zurück zu Joey - es regnete -, schenkte uns später eine ganze Nacht und gab uns eine weitere zum halben Preis. Warum auch immer, wir fühlten uns hier sehr gut aufgehoben.

Der Sonntagvormittag sollte wieder dem Schnorcheln gewidmet sein, und zwar fuhren wir hierzu in den die westliche Küste zum Riff hin umfassenden Cape Range National Park, wo es neben dem einfachsten Zugang zum Riff auch schöne Schluchten geben soll. Gott sei Dank war das jedoch nicht unser Hauptaugenmerk, denn am Eingang des Parks, wo man eigentlich am Rangerhäuschen den Eintrittspreis zahlen muss, erfuhren wir von den heftigen Regenfällen der vorangegangenen Woche - 400ml, so viel wie man hier sonst in einem ganzen Jahr bekommt - und den damit einhergehenden Überflutungen und großräumigen Wasserschäden an Infrastruktur und Landschaft im ganzen Park. Die Straße von Carnarvon nach Exmouth wäre auch erst kürzlich wieder geöffnet worden. Wow! Man sei zum Katastrophengebiet erklärt worden und die meisten Zugangsstrecken gesperrt, das Tourizentrum wäre weggeschwemmt worden und nur zwei der Schnorchelspots seien noch offen - Turquoise Bay und Oyster Stacks, zu unserem Glück die beiden besten, und genau die die wir uns eh herausgepickt hatten. Es sei jedoch mehr Regen für den späten Nachmittag und Abend vorhergesagt, wir sollten also bis spätestens 4Uhr wieder raus sein. Alles klar!
Turquoise Bay ist eigentlich der renommiertere der beiden Spots, und obwohl er auch wirklich sehr schön war - noch besser als Coral Bay, mit einem viel größeren Fischreichtum und grandioser Artenvielfalt - fanden wir die Oyster Stacks noch besser, mit Vorsprüngen unter denen riesige Schwärme Großfisch standen, einer sehr interessanten Unterwasserlandschaft die mehr von Felsen als Sand geprägt war, und VOR ALLEM einer majestätisch dahingleitenden Meeresschildkröte, die ich ganz zu Anfang entdeckte und der wir bestimmt eine Viertelstunde hinterher schnorchelten. Genial!!! Ich war absolut euphorisch und quietschte wahrscheinlich vor Begeisterung in meinen Schnorchel, als sie einmal direkt neben mir zum Luftholen auftauchte. Sie war circa 70cm im Durchmesser und wir identifizierten sie bei unserem späteren Besuch im Jurabi Turtle Centre etwas nördlich des Nationalparks als Hawksbill Turtle, eine der selteneren der drei Arten, die permanent am Ningaloo Riff leben. Mein Tag war perfekt.
Zurück am Camping gaben wir uns alle Mühe, den Stoff für den am nächsten Tag startenden Tauchkurs durchzukauen, es würde wohl Tests geben und wir wären ohne all das Praxiswissen wohl ziemlich aufgeschmissen bei den späteren Poolübungen. Leider fing es an zu schütten wie aus Kübeln - wirklich monsunartig - als wir gerade in der Campküche saßen und versuchten gleichzeitig zu lernen und zu kochen, das gesamte Gebäude stand innerhalb von Minuten unter Wasser und es formte sich ein reißender Fluss zwischen den BBQs und Tischen her, auf denen alle Anwesenden Zuflucht suchten. Witzigerweise waren gerade drei andere deutsche Pärchen da und es war so eine ganz lustige Situation, half uns aber nicht gerade bei unserem Lernerfolg und führte dazu, dass wir noch bis ungefähr 5Uhr morgens versuchten, das bestimmt 150seitige DinA4-Lernbuch durchzuarbeiten, hatten es dann auch nicht komplett geschafft und gingen einfach pennen.


Entsprechend fertig waren wir, als am nächsten Morgen - oder anderthalb Stunden später der Wecker klingelte,mussten wir doch um 8Uhr am Tauchzentrum sein. Schnarch. Meine Laune wurde auch nicht gerade durch den Fund meines Handys unter dem Auto gehoben, das wohl am Abend aus der Tür gefallen sein musste und in eine Schlammschicht einbetoniert war. Muss ich noch sagen, dass es natürlich nicht mal mehr anging? Zumindest die microSD-Karte mit all meiner Musik und den Fotos war noch zu retten, damit hatte es sich aber auch. Naja, es war schon etwas älter und ich hatte schon in Deutschland überlegt, mir ein Neues zu kaufen (Gott sei Dank hab ich das nicht gemacht!) und so war es nicht sooo schlimm, aber trotzdem sehr ärgerlich.


Unpünktlich um viertel nach acht - für uns und die anderthalb Stunden Schlaf, die wir hatten, nicht so schlecht - standen wir dann auf der Matte des Dive Centres und trafen unseren breit grinsenden Tauchlehrer Gerard, der auch schon unsere Eskapaden am Samstag mitbekommen hatte und so voll im Bilde war. Altersmäßig hätte ich ihn auf Mitte-Ende zwanzig geschätzt - bei all seiner Taucherfahrung wohl eher Ende - und er war schlicht der coolste Tauchlehrer, den wir hätten bekommen können. Total relaxt, geduldig und erfahren im Umgang mit Amateurtauchern die beim ersten Atemzug am Grund vom Pool schon die Krise kriegen, machte er einen durchweg professionellen und gleichzeitig sympathischen, humorvollen Eindruck. Wir lieben ihn!
Er machte auch überhaupt kein Theater weil wir nicht das komplette Buch gelesen hatten, erklärte alles nochmal Stück für Stück und hatte generell die Ruhe weg. Nachdem alle Theoriefragen und Quiz's abgearbeitet waren und wir unser Equipment gefühlte 30mal zusammen- und wieder auseinandergebaut hatten, ging es am frühen Nachmittag dann in den Pool, um unsere ersten 'confined water dives', Probetauchgänge, zu absolvieren. Nachdem wir unsere Grundeignung in der ersten halben Stunde via Schwimmübungen und Wasser treten demonstriert hatten, kam der große Moment - rein in die Ausrüstung, den Atemregler in den Mund, und da war er - unser, oder zumindest mein, erster Atemzug unter Wasser! Schon ein seltsames Gefühl. Während Tobi natürlich absolut souverän alles mitmachte, als habe er seit Jahren nichts anderes getan, hatte ich schon meine Probleme mit der ganzen Ausrüstung die um mich herum baumelte, dem ungewohnten Gewicht des Tanks auf dem Rücken und vor allem dem Schwimmen mit Flossen - geschnorchelt war ich ja immer ohne und so war es schon eine riesen Umstellung, anfangs schlug ich sie ständig gegeneinander, behinderte mich selbst und wurde wütend ob meiner eigenen Tollpatschigkeit. Gerade wo bei Tobi alles so einfach und mühelos aussah. Grrr! Gerard meinte zwar, ich würde das alles für den ersten Tauchgang fantastisch machen (wörtlich) und wäre auch dabei eine super Flossentechnik zu entwickeln, am Ende aller Übungen und Fertigkeiten (wir probten z.B. das Abschleppen eines anderen Tauchers, Absetzen und wieder Aufsetzen der Maske unter Wasser, Maßnahmen im Fall von ausgehender Luft oder wenn eines der Geräte ausfällt, unseren Auftrieb unter Wasser zu kontrollieren, und und und) war ich trotzdem skeptisch, wie ich mich am nächsten Tag im Meer - oh Gott, tatsächlich einfach im offenen Meer!! - schlagen würde. Ihr könnt euch vorstellen, wovon ich in dieser Nacht geträumt habe...

Am nächsten Morgen lernten wir zuerst Paul kennen, einen supernetten Einheimischen um die 50, der seine Theorie schon gemacht hatte und nun mit uns die Praxis machen würde. Zusammen mit den für heute gebuchten Tauchtourgästen - knapp unter 10 hätt ich geschätzt - ging es zur Exmouth Marina und dort auf die 'Observer', ein circa 12 Meter langes Tauchboot, mit der es raus zu den Muiron Islands ans Riff gehen sollte. Ich war verdammt nervös und wäre zu dem Zeitpunkt irgendwie lieber an Land geblieben. Gut, dass ich das nicht gemacht habe! 
Weil die Windrichtung- und stärken komplett anders waren als vorhergesagt, änderte unsere Skipperin Kelsey auf halber Strecke den Kurs - an den Muirons wäre die See wohl viel zu rau gewesen und somit auch die Sicht für's Tauchen getrübt, weshalb wir nun die Lighthouse Bay an der Westküste der Halbinsel ansteuerten - für uns ein glücklicher Zufall, am nächsten Tag sollte es nämlich nochmal zu den Muiron Islands gehen und so bekamen wir 2 verschiedene Gegenden zu sehen, anstatt zweimal zur gleichen zu fahren. Und auch davon abgesehen erwies es sich als Glücksfall für alle an Bord: kurz bevor wir unser Ziel erreicht hatten brüllte Gerard plötzlich über den Motorlärm etwas von 'whales' und 'orcas', wir wurden augenblicklich langsamer und die ganze Besatzung samt Crew und allen drängte sich an die Reling, angestrengt auf's Meer starrend. Und tatsächlich hoben kurz darauf wieder eine Gruppe von 5 Orcas, dabei ein Kleines, circa 50m von uns entfernt ihre majestätischen Rücken aus den Wellen. Was ein Glück! Die Crew war völlig aus dem Häuschen und Gerard sprang herum wie ein kleines Kind, dem man zum Geburtstag seinen größten Wunsch erfüllt hat, als einer dieser Giganten zum Boot herübergeschwommen kam, es mehrfach umrundete, knapp unter der Oberfläche darunter herschwamm - ein UNGLAUBLICHES Gefühl, wenn direkt unter dir so ein riesiger schwarzer Leib mit weißem Augfleck auftaucht und dich anzugucken scheint - und immer wieder zurück kam, um uns noch einen weiteren Besuch abzustatten, als wir schon dachten, sie wären abgetaucht und weitergeschwommen. Sagenhaft, wirklich, das waren absolute Gänsehautmomente und niemand konnte aufhören, davon zu erzählen. Irre!!!
So waren auch alle auf dem Boot entsprechend aufgekratzt, als wir am Tauchspot selbst ankamen, und ich fiel mit meiner steigenden Nervosität ob dem bevorstehenden Tauchgang auf hoher See nicht mehr so auf. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, in wenigen Minuten die Luft aus meiner Weste zu lassen und mich 13m unter der Wasseroberfläche wiederzufinden, mit nichts als Gerards Versicherung, so ein Tank würde schon nicht ausfallen und mir könne gar nichts passieren. Als Kelsey dann auch noch anfing, von den niedlichen Riffhaien zu erzählen, die es hier wohl häufig gibt, kriegte ich endgültig zu viel und wünschte mich in irgendeine entlegene Ecke des Planeten. Im Nachhinein bin ich echt froh, dass dieser Wunsch nicht erhört wurde, denn dieser erste Tauchgang war wahrlich eine Offenbarung für mich. Der Backflip von der Bootsreling ins Wasser mit all der schweren Ausrüstung, die an einem dranhängt, ist zwar zugegeben beim ersten Mal ziemlich krass und aufregend, aber ab da passte dann plötzlich alles irgendwie zusammen. Ich konnte mit den Flossen gut schwimmen und bei der Gruppe bleiben, wir gingen alle gemeinsam runter und auch der Riffhai, der uns am Ende der Grundleine erwartete, an der wir abtauchten, war nicht einen Bruchteil so furchteinflößend wie erwartet. Ich konnte sogar verstehen, warum Kelsey sie niedlich genannt hatte: mit 1,50m wirken die meisten Exemplare wirklich nicht sehr bedrohlich und man freut sich eher immer, wenn man einen sieht. Beide Tauchgänge, die wir heute in der Lighthouse Bay machten, und auch die beiden an den Muiron Islands am nächsten Tag waren einfach sagenhaft schön und ich liebte das Gefühl der Ruhe und Gelassenheit, das man durch die Stille des Wassers und die Schönheit der Natur um einen herum irgendwie automatisch bekommt - auch Tobi empfand es so. Wie schwerelos an prachtvollen Korallenbänken und quirligen Fischen, die sich so gar nicht an einem stören, vorbeizugleiten, war für mich eine echt erhebende Erfahrung, die jemand, der nie getaucht ist, wahrscheinlich nicht ganz nachvollziehen kann. Wir sahen die unterschiedlichsten Unterwasserlandschaften und -faunen bei unseren insgesamt 4 besuchten Spots, die alle detailliert zu beschreiben jetzt zu viel wäre. Darunter waren unglaubliche Korallenriffe, bei denen man das Gefühl hatte, durch ein eingerichtetes und designtes Aquarium zu schwimmen, riesige meterhohe bommelförmige Strukturen, Felsvorsprünge und Klippen, das alles bewohnt von einer sagenhaften Fischvielfalt: viele Großfische wie die schon erwähnten Riffhaie - insgesamt sahen wir bestimmt 10 davon -, große Stachelrochen, beim ersten Tauchspot ein schwangerer Wobbegong Shark (ähnlich einem Teppichhai) und viele exotische große Fischarten, die ich nicht benennen kann, die aber in allen Formen und Farben beeindruckten; beim zweiten an der Lighthouse Bay zwei hochgiftige, aber sehr freundliche und neugierige Seeschlangen (Wortlaut Kelsey), mit denen Gerard ein wenig herumspielte, große Hummer unter einem Korallenüberhang, Seegurken und Seesterne, und natürlich iiiirre viele Kleinstfische, die in Schwärmen um die Korallen und Felsen herumglitten. Grandios! Als Bonbon gab es am zweiten Tag noch einen Schnorchelstop nach den beiden Tauchgängen dazu, den wir auch in vollen Zügen genossen - aber nachdem man einmal richtig getaucht hat und weiß, wie es ist, sich wie ein Teil von alledem zu fühlen, verliert Schnorcheln - zumindest für mich - ein bisschen an Reiz. Auf der anderen Seite hat mich jetzt die Unterwasserwelt und das Leben unter der Oberfläche mehr in ihren Bann gezogen, weshalb ich wahrscheinlich trotzdem ein begeisterterer Schnorchler bin als vorher.


Ohne Probleme bestanden wir die finale theoretische Prüfung und bekamen von einem stolzen Gerard, der meinte wir wären zwei seiner besten Schüler gewesen (nicht verwunderlich, wenn einer der beiden praktisch schon den Tauchschein hat), unsere Tauchlizenzen überreicht. Juhu! Wir beglückwünschten uns selbst zu der Entscheidung, doch hier geblieben zu sein und den Kurs gemacht zu haben: das Ningaloo Reef hatte all unsere Erwartungen übertroffen. Wir waren sogar so tauchbegeistert, dass wir für den nächsten Tag noch eine weitere Tour buchten, diesmal mit dem anderen Anbieter (der nämlich leider der einzige ist, der diesen speziellen Spot besuchen darf) zum sogenannten 'Navy Pier', von dem Gerard nur geschwärmt hatte und der einer der besten Tauchspots Australiens und international renommiert sein soll. Unsere Pechsträhne vom Anfang setzte wieder ein und in der Nacht regnete es wieder mal so stark, dass die Tauchtour natürlich gecancelled wurde. Außerdem hatte Tobi irgendwann, irgendwo seine Schnorchelmaske samt Schnorchel verloren. Jetzt hatten wir endgültig die Nase voll und brachen auf zu neuen Ufern.

Nach einem anstrengenden, aber erfolgreichen Probetag im PoolDie Explorer An BordAufregung um die ORCAS!Gänsehautmoment: da schwebt er direkt unter'm Boot...Aber eigentlich sind wir ja für's Tauchen hier!: Buddy-Checks bevor es ins Wasser gehtAlles gut! (findet auch Paul im Hintergrund :D )..und rein geht's!unsere kleine Herde :)Natürlich haben wir die Kamera beim einzigen Tauchgang mit nur 7 Metern Sicht mit runter genommen .. sonst war es mindestens doppelt so gut! So kann man Tobi und mich nur erahnen.- deshalb gibt es auch nur dieses eine Foto vom Unterwasserleben hier, das meist viiiiel spektakulärer war (hier sieht man ja nur einen kleinen Ausschnitt)Sonnenuntergang an der Marina von Exmouth

In einem Monat halb um den Kontinent - Teil 3

28Mai2014

09.05.14

Karijini National Park

Wenn man von Exmouth nach Norden entlang der Küste fährt, kommt erstmal auf sehr weiter Flur nichts auch nur erwähnenswert Interessantes. Wir hatten daher entschieden, einen Umweg durch's Landesinnere zu machen, wo der berühmte Karijini Nationalpark mit Schluchten und Felsseen lockt. Auch dorthin ist es von Exmouth, von wo man ja erstmal die Halbinsel wieder runterfahren muss, ein weiter Weg: wir machten uns erst gar keine Hoffnungen, noch am gleichen Tag dort anzukommen, und fuhren 'nur' um die 400km bis zum letzten kostenlosen Rastplatz vor dem Nationalpark - von wo es am nächsten Tag aber auch noch fast 200km bis zu dessen Grenze sein würden. Mit den 400km hatten wir aber auch gut zu tun, war die Straße doch ob der Regenfälle der letzten Tage häufig überflutet und ein Vorankommen deshalb oft mühsam und beschwerlich.

Auf dem Weg zum Karijini: das war mal eine Straße... hat auch seine Vorteile: sehr schöne Szenerie auf dem Weg ins Outback

Für den nächsten Morgen hatte ich mir fest vorgenommen, auszuschlafen, und auch die Aussicht, dann wohl etwas vom Nationalpark zu verpassen, konnte mich nicht frühzeitig aus dem Bett bewegen. Meinetwegen wäre ich an Karijini vorbeigefahren, wenn ich dafür meinen Schlaf bekommen hätte - seit den anderthalb Stunden Schlaf auf Montag, und inzwischen war es Freitagmorgen, waren wir jeden Tag absolut übermüdet gewesen, hatten anstrengendes Tauch- und gestern Fahrprogramm gehabt und waren nie nach 6 Uhr aufgestanden oder vor Mitternacht ins Bett gekommen - meist deutlich später.
Tobi war leider geringfügig anderer Ansicht was die Notwendigkeit eines ausgedehnten Besuches im Karijini anbelangte, und so fand ich mich zähneknirschend noch vor elf Uhr (ich hatte a-u-s-s-c-h-l-a-f-e-n gesagt!!) nach einem schnellen Frühstück schon wieder auf dem Highway wieder. Hmpff. Wir kamen so also nach Tankstops in Paraburdoo und Tom Price, den beiden Outbackkäffern en route nach Karijini, am Nachmittag an unserer Hauptdestination im Nationalpark an: der Parkplatz am 'Weano Gorge' bietet sowohl Zugang zu Wanderwegen in und um die Schlucht als auch zum atemberaubenden Oxers Lookout, wo sich vier der tiefen Schluchten treffen und der so ein einmaliger Anblick ist - siehe Fotos.
Davon inspiriert konnte ich sogar noch zu einer Wanderung in den Weano Gorge selbst überredet werden - bei den herrschenden Temperaturen, die sich in der Sonne locker wie 40 Grad anfühlten, eine von Tobis größeren Errungenschaften. Wir kletterten also über eine recht steile Treppe in die Schlucht hinein, wo recht schnell klar wurde, dass wir hier nicht trockenen Fußes wieder herauskommen würden: auf manchen Abschnitten stand die komplette Breite der Schlucht unter Wasser und während Tobi noch durchwatete - aber auch bis zur Hüfte drin stand - rutschte ich natürlich auf den glatten Steinen aus und schwamm dann auch gleich den Rest. Zwar irgendwie gruselig - wer weiß, was da noch so alles drin rumschwimmt, und wir waren auch mal wieder die einzigen menschlichen Wesen weit und breit - aber auch herrlich erfrischend bei den Temperaturen. Als wir immer tiefer rein kamen wurde die Schlucht immer enger, bis wir schon dachten, es ginge nicht mehr weiter, an einer Stelle wo der kleine Bachlauf anscheinend in einer Felsspalte verschwand. Das Ziel der Wanderung, der als surreal beschriebene Handrail Pool, war jedoch nirgends in Sicht und so wagten wir uns in die enge Felsspalte hinein - und wurden mit den spektakulärsten Eindrücken schlechthin belohnt. Schaut euch die Fotos an, die fangen die Atmosphäre ziemlich gut ein. Nachdem wir circa 100m zwischen den sich neben uns auftürmenden Felswänden, die sich teils auf Mannesbreite verengten, hergelaufen und -geklettert waren - an einer kleinen höhlenartigen Verbreitung mit Minipool vorbei, bei der wir schon dachten, am Ziel angelangt zu sein - kamen wir an eine Biegung und der fast schon unheimlich schöne Handrail Pool tauchte vor uns auf - umgeben von hohen Felswänden und unerwartet groß, offenbarte er auch gleich seinen Namensursprung: an einer Handreling mussten wir am glatten Fels zu ihm hinunter klettern. Wir gingen natürlich nun auch in ihm schwimmen - ich war ja eh schon nass - und kraxelten auch noch ein bisschen weiter die Schlucht entlang: abenteuerlich, sage ich euch! Eine ganz tolle Erfahrung, die ich fast als beste in einem Nationalpark bisher bezeichnen würde. Tobi sagte, es erinnere ihn sehr an sein Kletterabenteuer im Redbank Gorge in den West Macdonnell Ranges. Super! Auf dem Weg zurück beeilten wir uns etwas mehr, um nicht wie vom Kalbarri auch vom Karijini nur eine Stelle gesehen zu haben, und schafften es auch noch gerade so im letzten Licht zu den schönen Joffre Falls und dem Lookout auf den Knox Gorge, der das Credo des Karijini Nationalparks nochmal sehr schön zusammenfasste: dunkelrote Schluchten mit goldgelbem Savannengras, dazu tief unten das Plätschern von Wasser, hier und da der ein oder andere Termitenhügel, ein paar Eukalyptusbäume und ein definiertes Outbackfeeling. Ein ganz toller Nationalpark, befanden wir auf dem Weg zu unserem Schlafplatz etwas außerhalb.


Tolle Landschaft auf dem Weg wir nähern uns! Das ist was anderes als in Finnentrop an der Schranke stehen: dieser Güterzug hörte und hörte einfach nicht auf. Irre! Im Park sind die Straßen unbefestigt und so bekamen wir hier wieder eine gute Portion Outbackgefühl - und auch wieder red dust! Da stockt einem erstmal der Atem: der unglaubliche Oxers Lookout unten im Weano Gorge: da sah es noch recht trocken aus ;) Aber das sollte sich bald ändern! Immer wieder mussten wir durch Wasserlöcher im breiten Teil der Schlucht, bis... ...wir die Felsspalte erreichten! Ein echt surrealer Ort, irgendwie. Das Ziel der Wanderung: der Handrail Pool, mit namensgebender Reling im Hintergrund. An den zwar wenig Wasser führenden, aber trotzdem schönen Joffre Falls und schnell weiter: so gerade erhaschten wir noch einen Blick auf den Knox Gorge. Zum Glück! Diesen Termitenbau fanden wir schon ziemlich riesig - schaut euch den später im Litchfield an!! Herrlicher Sonnenuntergang nach einem fantastischen Tag.

10. und 11.05.14

Städte zwischen Outback und Palmen: Port Hedland und Broome

Jetzt kam ein Tag des reinen Fahrens: es waren allein über 200km von unserer rest area zurück zur Küste nach Port Hedland, einer reinen Industriehafenstadt mit wenig Reizen für Besucher bis auf den Anblick der gigantischen Tanker vielleicht, die am Port beladen werden. Nachdem wir uns dieses zugegeben beeindruckende Spektakel kurz angeschaut hatten, plünderten wir die Angebotsregale im Supermarkt und schmuggelten uns danach ins Internet bei McDonalds. Von Hedland waren es dann noch über 600km bis Broome, bis wohin wir eigentlich am selben Tag noch hatten kommen wollen - das unbegrenzte, kostenlose Mecces-Internet war jedoch viel zu verlockend, als dass wir uns frühzeitig wieder davon hätten lösen können, und so kamen wir erst gegen Einbruch der Dunkelheit los - verständlich also, dass wir nicht ganz bis Broome fahren konnten und wollten, ein Rastplatz circa 200km vorher war schon ein ehrgeiziges Ziel, an dem wir auch erst tief in der Nacht ankamen.

Nicht so wirklich was für's Auge: Anfahrt nach Port Hedland Die riesigen Tanker im Hafen... ...und in der Ferne waren aber trotzdem beeindruckend.

Broome ist verglichen mit Port Hedland ein weitaus beliebteres Touristenziel, und das aus gutem Grund: als letzte nennenswerte Stadt an der nordwestlichen Küste des Kontinents vereint sie von Palmen umsäumte weiße Strände am türkisblauen indischen Ozean mit einem Hauch rotem Outbackfeeling: eine magische Kombination, befanden nicht nur wir. Ursprünglich als Siedlung der frühen Perlenindustrie entstanden, floriert die Perlenproduktion dort immer noch und die meisten Geschäfte und Unternehmen sind auf Broome's Schätze des Meeres ausgerichtet: wir besuchten einen kleinen Wochenendmarkt, auf dem es neben vielen selbstgemachten Kunstgegenständen und Kleidungsstücken vor allem lokalen Perlenschmuck aller Formen gab.
Anschließend fuhren wir zum Gantheaume Point, einem Aussichtspunkt auf einer Landzunge, und waren überwältigt von dem Panorama, das sich uns bot: tiefrote Felsen fielen ab in ein türkises Meer, und in der Ferne lockte Broome's berühmteste Attraktion, der wunderschöne Cable Beach, mit seinen Palmen und weißem Sand. Am liebsten hätten wir uns dort einfach hingesetzt und das Zusammenspiel von Outback und Ozean noch viel länger bewundert, aber es stand ein weiteres Highlight unserer Reise an: ich hatte schon im roten Zentrum am Ayers Rock mit dem Gedanken einer Kameltour gespielt, aber aufgrund der dort astronomischen Preise davon abgesehen, das Internet in Port Hedland aber genutzt, um einen günstigen Anbieter am Cable Beach ausfindig zu machen, mit dem wir einen halbstündigen Ritt entlang des Strandes gebucht hatten. Es mag vielleicht seltsam klingen, aber Kamele sind im Outback Australiens keine Seltenheit und wurden in Entdeckerzeiten als geeignetste Transporttiere für die Wüste von Vorderasien eingeschifft, haben sich als solche bewährt und seitdem unabhängige Populationen in großen Teilen des Landes etabliert. Ich hatte ja auch schon von den am Outback Way herumstreunenden Kamelherden erzählt. Wir cruisten direkt mit Joey auf den Strand und zu der Kamelkarawane, die einfach an einem kleinen Zelt im Sand untergebracht war. Es waren so wenig andere Leute eingebucht, dass jeder sein eigenes Kamel bekam und selbst dann noch Rücken frei blieben. Tobi sah zwar anfänglich etwas skeptisch aus, als er in "Cloud"'s Sattel kletterte, hatte aber wie ich großen Spaß an der ungewöhnlichen Prozession, die über den schönen Cable Beach zog. Die drei nebenher laufenden Treiber wussten alles über ihre Schützlinge und erzählten uns allerlei über ihre Herkunft und Eigenarten, wie zB dass sie meist wild eingefangen, von richtigen Kamelcowboys gezähmt und trainiert werden und dann auf ihre Farm kommen, wo sie nur an ein paar Tagen in der Woche 'arbeiten', ansonsten Pause machen und im Alter zwischen 15 und 20 Jahren in Rente gehen. Sie gelten wohl fast als Plage in manchen Teilen des Outbacks, wo sie den heimischen Tierarten wie Kängurus ihr Futter wegfressen, und sind deshalb 'vogelfrei' - und gezähmt zu werden ist wohl immer noch besser als als Kamelburger zu enden. Wie auch immer, für uns war der langsame Ritt hoch über dem Sand und den Wellen des wunderschönen Strandes jedenfalls etwas ganz Besonderes und wir erzählen immer noch davon. Hatte ich anfangs bezweifelt, ob eine halbe Stunde denn lang genug sein würde, kam es uns genau richtig vor und wir fuhren völlig zufrieden mit unserer Broome-Erfahrung aus der Stadt heraus und auf den nächstbesten Parkplatz, wo wir noch die circa 1000 Fotos der Tour anschauten - nur unsere eigenen, denn die professionell vom Veranstalter geschossenen sollten ungefähr so viel kosten wie die Tour selbst und das hatten wir leider einfach nicht eingesehen. Aber auch unsere Amateurbilder fanden wir gar nicht allzu schlecht - schaut selbst:

Fantastische Aussicht vom Gantheaume Point mit Cable Beach im Hintergrund Hach!
Arrive in Style: Mit Joey auf dem Cable Beach auf dem Weg zum KamelunterstandIch sage hallo :)und schon geht's rauf!Ich fühle mich pudelwohl :)und auch Tobi scheint es zu genießen......und in Cloud einen neuen Buddy gefunden zu haben :D

 

12. und 13.05.14

In den Kimberleys: Derby, die Gibb River Road und die Bungle Bungles

Nun hatten wir die gesamte (befahrbare) westaustralische Küste Stück für Stück abgearbeitet und so war unser nächstes Ziel eigentlich Cairns an der Ostküste: auf's Tauchen am Great Barrier Reef freuten wir uns wie nichts und da wir ja auch so nicht mehr allzu viel Zeit in Australien übrig hatten, wollten wir doch eigentlich Mitte Juni spätestens den Rückflug antreten und planten auch 1-2 Wochen für den Verkauf von Joey mit ein, galt es nun, die richtige Balance zwischen "mit einem Affenzahn quer über den Kontinent rasen" und "nicht zu viele Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke verpassen" zu finden. Entsprechend starteten wir am nächsten Tag endlich mal angemessen früh und waren gegen Mittag in Derby, wo wir uns nur schnell den riesigen Prison Boab Tree anschauten (an dem in Australiens dunkleren Zeiten häufig Aboriginees festgehalten wurden), und tanken sowie kurz zur Post fuhren, bevor es weiter gen Osten ging. Derby ist ein ziemlich kleines Outbackkaff, geprägt von den schon zum Symbol für die Region der Kimberleys gewordenen kultigen Flaschenbäumen sowie vielen Aboriginees, die in den Straßen herumlungern, in dem es recht wenig gibt, weshalb wir hier auch nicht viel verpassten.

Der riesige Prison Boab Tree - als kulturell sensible Stätte abgezäunt

Wir hatten uns entschlossen, nicht die gesamte Länge der legendären Outbackroute Gibb River Road durch das Herz der Kimberleys zu fahren, zum einen weil uns die unbefestigten über 600km sicher wieder viel Zeit und Sprit gekostet, zum anderen weil wir dann die berühmte südlich gelegene Region der Bungle Bungles verpasst hätten - eine skurrile Ansammlung seltsamer Felsformationen, von denen wir schon viel gehört hatten und die wir unbedingt sehen wollten. Outbackabenteuer hatten wir ja auch eigentlich schon genug gehabt und sollten wir auch auf dem Weg in die Bungles sowie im Norden Queenslands später noch genug bekommen, obwohl es schon schade war, diese Region nicht ausgiebig erkunden zu können. Naja, man kann halt nicht alles haben.

Wir fuhren dennoch die ersten 150km oder so auf der GRR, einfach um 'Wir waren da' sagen zu können und doch noch ein bisschen von der von Flaschenbäumen und rotem Staub geprägten Szenerie aufzusaugen. Dann nahmen wir eine kleine Verbindungsstraße zum Highway - die, um das mal klarzustellen, weitaus abenteuerlicher zu fahren und abgeschiedener war als die vergleichsweise große Gibb River Road bis dahin - an welcher wir uns noch zwei der Hauptattraktionen dieser Gegend anschauen konnten: die Windjana Gorge, eine von schwarzem Fels und grüner Vegetation am Fluss im Innern gekennzeichnete große Schlucht, in der wir ein wenig wanderten und kleine Süßwasserkrokodile - im Gegensatz zu ihren großen Verwandten, den 'salties', nicht sonderlich gefährlich - beobachteten; und den 'Tunnel Creek', ein natürliches unterirdisches Tunnelsystem, das wir ein wenig mit Kopflampen erkundeten - schon gruselig, im Stockdunkeln durch einen unterirdischen Fluss zu waten, mit ungefähr einem Meter Sicht, Fledermäusen überall und seltsamen Fischen, Fröschen und kleinen Krebstieren, die am Rande des Lichtkegels schnell davonschwimmen oder -hopsen. Nicht zu vergessen natürlich den Gedanken im Hinterkopf, dass auch hier Süßwassercrocs ihr Unwesen treiben. Sicherlich ein Erlebnis, aber ich war irgendwie auch froh, als wir wieder raus kamen und gerade noch so einen tieforangenen Sonneuntergang vor den Silhouetten der Flaschenbäume genossen. Super. Im Dunkeln holperten wir noch Dutzende weitere Kilometer über die oft steinige und teils überflutete Schotterpiste und machten drei Kreuze, als wir zurück auf dem Great Northern Highway und 230km später auf einem schönen Rastplatz am O'Donnell River ankamen.

Anfahrt zur Windjana Gorge: die hochaufragenden schwarzen Felswände sind schon aus der Ferne nicht zu verfehlen ab in die Schlucht! Ein Krokodilwarnschild... ...aus gutem Grund. auf dem Weg zum Tunnel Creek kamen wir auf der ziemlich schlimmen Straße an jeder Menge szenischer Flaschenbäume vorbei... ...an denen ich mich nicht satt sehen kann. Mit denen muss man im ganzen Nordwesten einfach rechnen: Kühe stehen ständig um die und auf der Straße herum. Auf Klettertour ins Tunnel Creek System Gruselig! Tobis Freund Man soll es nicht meinen, aber das ist a) nicht mehr untertage und b) Teil der Straße. Ach du...!

Am nächsten Morgen fuhr ich schonmal etwas früher los, während Tobi sich neben mir noch seinem Müsli widmete, denn heute galt es, in einem Rutsch in den Purnululu National Park, der das Weltnaturerbe der Bungle Bungles umfasst, und wieder raus zu gelangen - Übernachten im Nationalpark kostet ja schließlich und wir waren nun mal auf Sparkurs. Es waren noch über 200km zur Abzweigung in den Park und von dort aus über 80km steinigen Tracks bis zu den Bungles selbst, vor welchem wir schon mehrfach gewarnt worden waren - mehrere Flussdurchfahrten, felsige Abschnitte und engste Kurven sollten diese Piste extrem beschwerlich machen. Auch im Reiseführer stand, man solle um die 3 Stunden einrechnen - für eine Strecke. Ganz so viel brauchten wir zwar nicht, aber diese Straße hatte es schon in sich und war auch im 4WD-Modus noch schwierig zu fahren, wahrscheinlich die bisher übelste der von uns bestrittenen Pisten. Doch es machte sich vollends bezahlt, war doch schon die Anfahrt, wenn auch unangenehm zu fahren, ob der Vielfalt der hügeligen Graslandschaft mit Termitenhügeln und Flaschenbäumen im Vordergrund sowie den rauen roten Gipfeln zur einen und den sich am Horizont verlierenden sanfteren Bergketten zur anderen Seite ein wahrer Augenschmaus, den wir kurz nach der Parkgrenze auch nochmal von einem Lookout bewundern konnten, bevor es zu den Bungle Bungles selbst ging. Diese darf man sich vorstellen wie labyrinthartige Ansammlungen bienenstockförmiger Kuppeln eines verrückten schwarz-orange gestreiften porösen Gesteins, über deren genaue Entstehung Wissenschaftler sich wohl immer noch streiten. Echt ein faszinierender Anblick, und zwischen diesen Formationen umher zu wandern und alles genauestens unter die Lupe zu nehmen beschäftigte uns den ganzen Nachmittag. Wir erkundeten auch eine weitere Schlucht, die sehr zutreffend benannte 'Cathedral Gorge', deren hohe Felswände und kreisrundes Wasserloch unter einem Gesteinsüberhang wir wie den Rest der Gegend ganz für uns alleine hatten. Ein sehr ruhiger, friedlicher Ort, an dem wir uns eine Weile in den weißen Sand der Schlucht setzten und dem Tropfen des Wassers und den Schreien der Vögel hoch über uns zuhörten. Wundervoll. Als wir über die Piste zurück holperten und die untergehende Sonne die Felsen in ein tiefes Rot tauchte, waren wir uns einig, dass dies der bisher szenischste aller Nationalparks war: wir waren begeistert. Zurück auf dem Highway ging es noch an die 200km gen Norden, wo wir auf der schönen Dunham River rest area die Nacht verbrachten.

  Die schöne Szenerie entlang der Straße in die Bungles Eine der bestimmt zehn Flussdurchfahrten - und ja, unsere Scheibe ist nicht mehr die sauberste, aber wer sich anstrengt, kann dort hinten sicher wieder die Straße ausmachen. Ausblick auf die hügelige Landschaft auf der einen... ...und die Bergkette, an denen auch die Bungle Bungles liegen, zur anderen Seite. Ankunft an den Bungles selbst: Wow! Einzigartige Strukturen!! Im Cathedral Gorge.. da kommt man sich wirklich sehr klein vor.  Fotografisch kann man davon einfach nicht genug bekommen......vor allem wenn sich dann noch andere interessante Perspektiven ergeben.  Auf dem Weg aus dem Park heraus: wir sind restlos begeistert.

In einem Monat halb um den Kontinent - Teil 4

28Mai2014

14. bis 16.05.14

Wieder im Northern Territory: Zebra Rock Mine, Katherine und Litchfield

Weil wir am letzten Abend schon so viel gefahren waren, konnten wir uns erlauben, es an diesem Morgen etwas ruhiger angehen zu lassen. So kamen wir erst kurz vor Mittag ins ca 80km weiter liegende Kununurra, einer recht unspektakulären Kleinstadt, die eigentlich als Tor zu den Kimberleys gilt, für uns aber die letzte Stadt in Westaustralien vor dem Northern Territory darstellte. Wir tankten schnell nochmal nach - mit den Spritpreisen dort 'drüben' hatten wir ja schon unsere Erfahrungen gemacht - und düsten über die Staatsgrenze. 'Farewell Western Australia - a great place'. Da konnten wir nur zustimmen, Westaustralien mit all seinen Facetten - von Outback und Wüste über Korallenriffe und weiße Sandstrände bis zu den Wäldern, Nationalparks und Weinregionen im Süden - weiß auf ganzer Strecke zu beeindrucken und wirkte auf uns irgendwie wie eine kleinere Version von ganz Australien - von allem ist etwas dabei. Noch besser fanden wir, dass der Großteil des Staates gar nicht mal so touristisch ausgebaut ist wie man meinen sollte - 2 Tauchanbieter am Ningaloo gegen circa 20 allein in Cairns - und man so noch mehr das von Australien sehen und erleben kann, was man sich eigentlich vorstellt: einsame Strände, Campen allein unter den Sternen und verlassene Outbackstrecken durch den roten Sand. We came, we travelled, we loved ♥ Gut, dass wir uns nicht wie die meisten anderen Backpacker nur auf die Ostküste konzentriert hatten.

Aber genau dort sollte es jetzt für den Endspurt unserer Australienreise ja hingehen! Wir wollten heute noch bis kurz vor den Litchfield Nationalpark südlich von Darwin gelangen und zwecks dessen eigentlich den ganzen Tag nur durchstochen, bis ich in einer Broschüre von der 'Zebra Rock Mine' las: dem einzigen Abbaugebiet eines 'Zebrafels' genannten Gesteins, das sich nirgendwo anders in der Welt als in den Kimberleys findet und dass wir auch schon auf dem Markt in Broome gesehen, dort aber für bemalte Steine gehalten hatten. Total faszinierend, und so beschlossen wir, dort mal kurz vorbeizuschauen, sollte die Gallerie doch nur 10km vom Highway entlang einer guten Schotterstraße liegen. Insgesamt hatten wir circa eine halbe Stunde für den Abstecher eingeplant - das sollte sich jedoch bald ändern.

Auf halber Strecke kriegten wir beide den Schock unseres Lebens als Joey urplötzlich anfing zu schlingern und Tobi fast die Kontrolle über das Auto verlor. WTF?! Wir fuhren halb in den Busch am Straßenrand und sprangen raus, um nach der Ursache dieses Schreckmoments zu suchen - klar, wir hatten nen Reifenschaden, und der war nicht von schlechten Eltern: den linken Hinterreifen hatte es regelrecht zerfetzt, er war komplett zerrissen und würde uns sicher nicht mal die 3km bis zur Mine bringen. KACKE!! Durfte doch echt nicht wahr sein, da fuhren wir Tausende von Kilometern über abenteuerlichste Offroad-Strecken, durch Flüsse, Schlamm und über Felsbrocken, und auf einer der besten Schotterstraßen platzt das Ding. Kann doch nicht!! Auch, dass es ‚nur‘ einer der eh schon mehr als abgefahrenen Hinterreifen, die wir vor dem Verkauf eh noch auswechseln wollten, war, machte das Ganze nicht weniger ärgerlich – vor allem da wir im anderen abgenutzten Hinterreifen einen fast bohnengroßen beginnenden Riss entdeckten. Zu allem Überfluss war uns kurz zuvor auch schon die über den Autostrom betriebene Kühltruhe kaputt gegangen, sodass in der Mittagshitze nun all unsere Lebensmittel langsam dahin faulten.

Wir konnten unser Pech nicht fassen und fingen grantelnd mit dem Versuch des Reifenwechselns an, während uns die Outbacksonne zusätzlich peinigte: Kein Schatten weit und breit, und vor allem der am Auto herumrobbende Tobi war nach 5min in Schweiß gebadet. Ich schreibe Versuch des Reifenwechselns, weil es partout nicht klappen wollte: der Wagenheber war irgendwie hinten und vorne ein Haufen, die Teile passten weder zusammen noch an die Felge und Tobi begann schon an sich selbst zu zweifeln, als nach ungefähr einer Stunde Abrackern ohne sichtbare Erfolge Hilfe nahte: jemand kam aus Richtung der Mine, um uns wieder flott zu machen. Anscheinend hatten die Reisenden, die kurz vor uns auf die Zugangsstraße abgebogen waren, unsere Misere noch gesehen und dort Bescheid gesagt - etwas spät zwar, aber besser als gar nichts. Der nur mit einem Short bekleidete etwa Sechzigjährige, der aus einem klapprigen Geländewagen ungefähr gleichen Alters heraussprang, schmiss sich nach einem Handschlag ohne große Umstände unter das Auto, kloppte ein bisschen auf dem Wagenheber herum und urteilte dann : 'There's a part missing, sure ya don't have it?' Es sollte anscheinend ein Bauteil fehlen und deshalb funktionierte das Ganze nicht wie es sollte - nachdem Tobi den halben Kofferraum auseinander genommen hatte, wurde er fündig: ein Metallteil war hinter die Verkleidung gerutscht und bei vorherigen Suchmaßnahmen nicht auffindbar gewesen. 'Ah, there ya go!', und schon hatte er den Heber richtig zusammen gebaut, das Ganze unterm Auto und innerhalb von Sekunden hing alles in der Luft. Muss ich noch sagen, wie unglaublich dämlich wir uns vorkamen? Zumindest hatten wir vorher die Radschrauben schon gelockert und das Reserverad von der Kofferraumtür abmontiert, sodass er es nun recht einfach hatte: nach ungefähr fünf Minuten war der alte Reifen - oder was von ihm übrig war - hintendran und der Neue montiert. Nun kam das nächste Problem: nach wahrscheinlich Jahren hintendran unter seiner Hülle ohne auch nur einmal gebraucht zu werden, war das Reserverad natürlich platt. Nach ein paar Minuten bedrückten Herumstehens um das Sorgenkind, meinte unser Retter dann, er müsse zurück zur Mine fahren, um eine Luftpumpe zu haben - 'You don't happen to have one, do you?' Und da fiel es uns siedend heiß wieder ein: Fred hatte doch ein komplettes Reifenkit-Set samt Kompressor und allem Scheiß gekauft, als die beiden sich nen Nagel in den Reifen gerammt hatten! 'Uhm, I think we do actually!' Tobi hatte es sogar sofort zur Hand und so waren wir fast zwei Stunden nach dem Unglücksfall wieder fahrbereit.

Wir bedankten uns überschwänglich bei unserem Helfer und meinten, wir würden dann nun zur Mine fahren - 'Was meint ihr denn, wo ich hinfahre? Mir gehört das Teil schließlich!' Ehm, wie bitte? Er lachte und erklärte uns im Verlauf unseres Besuchs in der urigen Gallerie der Mine seine Geschichte - als junger Bursche war er hier auf einem Viehtrieb durchgekommen und hatte die ersten Zebrafelsen gefunden, dann erstmal lange anderwelitig gearbeitet und vor fünfzehn Jahren dann dauerhaft hergekommen, hatte den Flecken Land - garantiert ein großer Flecken - gekauft und dort mit seiner (sehr jungen) Ehefrau die Mine aufgebaut. Mit einem stolzen Grinsen meinte er, in jahrelanger Arbeit hätte er sogar ganz alleine die Straße zu seinem Grundstück gebaut, sei sie wochenlang immer wieder abgelaufen und hätte nach und nach Schotter mit seinem Auto herangekarrt - demselben, mit dem er auch uns zu Hilfe geeilt war. Kein Wunder, dass es etwas ramponiert aussah!! Wir verbrachten bestimmt über eine Stunde mit ihm und seiner Frau in der Zebrafels-Gallerie, die trotz der selbsterbauten Straße sein Prachtstück war: mit großer Begeisterung erzählte er von der Entstehung der unterschiedlichen Muster durch prähistorische Vulkanausbrüche vor Milliarden von Jahren und der Einzigartigkeit dieser Steine - nirgendwo sonst in Welt würde man sie finden, und Geologen von überall her kämen ihn wohl besuchen, um diese Unikate zu bestaunen. Wir konnten also nicht anders, als auch einige Schmuckstücke mitzunehmen - und da erwartete uns eine weitere australische Kuriosität: da man so touristisch unterentwickelt wäre und noch über kein EC-Gerät verfüge, konnten wir nur bar zahlen, da wir natürlich aber keinen Cash dabei hatten, gab Ruth uns die Steine so mit und kritzelte mir schnell ihre Bankkontodetails auf einen Zettel, im Vertrauen darauf, dass wir das Geld irgendwann später überweisen würden. Nicht mal meinen Pass oder Kreditkartendetails wollte sie als Sicherheit haben! Unglaublich, sowas wäre in Deutschland nie denkbar. Zwei weitere einzigartig australische Charaktere, an die wir uns bestimmt noch lange erinnern werden!

Leider war die Kamera ziemlich leer und so hab ich außer dem einen von Tobi mit dem der Echse leider keins :(, googlen fördert aber sehr anschauliche zutage, unter anderem eins von Ruth mit einem Zebrafels wenn ihr weiter runter scrollt links :)

Da hat's ihn zerrissen. Tobi mit einer an der Mine heimischen Echse, die ihm kurzerhand vom Besitzer auf den Arm gepflanzt wurde :D

Natürlich war es jetzt schon später Nachmittag und den Camping kurz vor Litchfield, den wir eigentlich für heute anvisiert hatten, konnten wir komplett vergessen, was hieß, noch eine Nacht auf einem Stellplatz zu verbringen. Seit Exmouth hatten wir nun schon keine Dusche mehr gehabt – sprich, über 3000km und eine Woche lang nicht, und das bei genannten Temperaturen – und so war die Aussicht auf eine weitere Nacht Parkplatz an der Straße irgendwie recht deprimierend. Wir fuhren noch bis kurz vor Katherine, wo wir am nächsten Morgen den geplatzten Reifen austauschen wollten um den beschädigten Hinterreifen als Reserverad für den Litchfield zu haben – der konnte schließlich jeder Zeit auch den Geist aufgeben –, und richteten uns wohl oder übel auf der Limestone Creek rest area ein.

Katherine war auf ganzer Linie eine Enttäuschung: Reifen teurer als in Alice Springs (teils über 300$ und nie unter 285$ das Stück, die spinnen doch, die Werkstätten!!), eine günstige Kühltruhe als Ersatz für unsere alte – inzwischen hatten wir alle frischen Lebensmittel längst wegschmeißen müssen – natürlich nirgendwo aufzutreiben, das Touricentre nicht gerade hilfreich, keine Infos zum Litchfield außer dass viele der cooleren Sehenswürdigkeiten sowie unsere geplante Route gen Norden gesperrt wären und auch im Supermarkt gab es außer seltsamer Fruchtdips nichts Reduziertes. Beleidigt fuhren wir ohne mehr als 1$ ausgegeben zu haben (immerhin kosteten die Dips nur 30ct… Dafür kann man sie im Notfall auch einem Känguru ins Ohr schütten) einfach weiter gen Norden zum Litchfield, die Daumen für unser Sorgenkind, den rechten Hinterreifen, pausenlos gedrückt – nicht ohne dort zur Vorsicht auch schon mal den günstigsten Camping reserviert zu haben: noch eine Nacht auf einem Parkplatz und ich wäre gemeinsam mit unseren bis auf’s letzte ausgebluteten Kameraakkus in den Streik gegangen.

Der Litchfield Nationalpark wird in vielen Reiseführern als heimliches Juwel des Northern Territory beschrieben und von den meisten locals wohl als besser – da weniger touristisch und landschaftlich ebenso schön – als der viel berühmtere und größere Kakadu eingeschätzt. Nach einer recht unspektakulären Fahrt durch einige Käffer im Wald und an dem ein oder anderen Buschfeuer vorbei – gestern Nacht im Dunkeln waren die irgendwie beeindruckender gewesen, vor allem weil wir da noch nicht wussten, dass sie absichtlich von den Rangern gelegt werden, um das Risiko eines außer Kontrolle geratenden Großfeuers zu reduzieren – kamen wir am frühen Nachmittag im ‚Pandanus on Litchfield‘ an, dem mit 26$ billigsten aller Campings der Gegend. Um Katherine sollten sie an die $50 kosten, noch ein Minuspunkt für diesen Haufen von Stadt x(  Wir wollten im Park selber natürlich Fotos machen und da unsere Kamera vollkommen leer war, kochten wir uns erstmal ein Süppchen für ein spätes Mittagessen und hängten den Akku an den Strom. Schon jetzt waren irre viele Mücken unterwegs – bei den hier im Überfluss vorhandenen Wasserläufen und Seen nicht verwunderlich – und wir bereiteten uns schon mal auf eine unangenehme Nacht vor. Dass wir auf dem ganzen recht einfach gestalteten Platz die einzigen Camper waren, verbesserte die Situation nicht gerade, waren wir so doch die einzige ungeschützte Beute im Umkreis von Kilometern.

Buschfeuer direkt an der Straße: nervig und ob des Rauchs auch gefährlich.

Nach vier Uhr ging es dann endlich los in den Park, wo wir uns zunächst die kuriosen magnetischen Termitenhügel anschauten, die zwecks Temperaturregelung stets entlang der Nord-Süd-Achse gebaut sind und so auf offener Grasebene einen witzigen Anblick bieten, obwohl die viel größeren Bauten der Kathedralentermiten, die überall im Park stehen, doch noch ein wenig beeindruckender sind. Ein Exemplar war sogar über 5m hoch – schaut euch das Foto an, unglaublich, dass ein Millimeter großes Lebewesen solche Strukturen errichtet!!

Die magnetischen Termitenhügel sind zwar von der Konstruktion her cleverer ... ... die der Kathedralentermiten aber trotzdem irgendwie beeindruckender!

Da viele der 4WD-Strecken im Park wegen der noch nicht allzu lange zurückliegenden Regenzeit noch gesperrt waren, fuhren wir danach sofort zur für uns eigentlich interessantesten Attraktion des Litchfields: die Florence Falls sind zwar eigentlich nur Teil einer Reihe von Wasserfällen im Park, aber waren zur Zeit unseres Besuchs aufgrund der Krokodilgefahr die einzigen, in denen man schwimmen durfte, was wir bis Einbruch der Dunkelheit auch ausgiebig taten. Hach, wie entspannend so ein kühles Bad nach Tagen der Hitze und Trockenheit doch sein kann! Wir hatten den Pool am Fuße der Fälle sogar ganz für uns und es war eine einmalige Erfahrung, bei Sonnenuntergang ganz alleine im Wasser mitten im Dschungel zu relaxen. Herrlich.

Die Florence Falls von der Aussichtsplattform am Parkplatz aus... ... und close-up! :3

Entsprechend entspannt machten wir uns auf den Rückweg zum Auto – und wurden von einer Armada von Mücken fast aufgefressen! Den ganzen Abend führte besonders Tobi einen recht aussichtslosen Krieg gegen die Viecher – dazu gleich mehr –, bis uns ein zufällig anwesender Arbeiter des Camps, nachdem er mich mit seiner Lebensgeschichte vollgelabert hatte, ein ‚mosquito coil‘ genanntes Wundermittel schenkte – eine Räucherstäbchen-ähnliche Spirale, die einen derartigen Qualm und Gestank verbreitet, dass alle Mücken blitzartig das Weite suchen. Genial!! Es funktionierte wirklich und war wesentlich praktikabler als die von einem rasenden Tobi zusammengebaute Konstruktion Stabfeuerzeug-Deosprüher, die wie eine Art Flammenwerfer funktionierte und mit der er bisher den halben Abend wie wahnsinnig über den Platz gerast und überall Mückenschwärme abgeflemmt hatte – sehr zu meiner persönlichen Belustigung natürlich. Versucht, euch das bildlich vorzustellen – es war einfach zum Schreien. Der Docht war da zwar wesentlich langweiliger, aber umso effektiver: wir schliefen zwar in einer Qualmwolke, aber dafür ohne das nervige Gesumme am Ohr und vor allem ohne am nächsten Morgen von den juckenden Stichen übersät zu sein. Leider war sie dann ausgebrannt, aber wir beschlossen, so bald wie möglich selbst einen Vorrat anzulegen.

Aufgrund des ausgiebigen Bades in den Florence Falls hatten wir am letzten Abend einige Sehenswürdigkeiten des Parks verpasst, die wir vor dem Aufbruch Richtung Darwin noch nachholten – die Tolmer Falls beeindruckten durch ihre schiere Höhe von 102m, von der sie über zwei Stufen in einen weit unten liegenden grün-türkisen See stürzten; die Wangi Falls als beliebtestes Touriziel des Parks führten zwar am meisten Wasser, überzeugten uns aber vor allem wegen der 1km langen Wanderung über Holzstege durch den Dschungel, an der Tobi nicht genug von den riesigen Spinnen entlang des Wegs bekommen konnte – siehe Fotos – die aber nebst dessen auch durch den herrlichen Duft nach Regenwald und auf vielen Infotafeln ausführlich über dieses einzigartige Ökosystem faszinierte. Ganz toll.

Die Tolmer Falls Die ebenfalls sehr schönen Wangi Falls, an denen uns aber... ...der Wanderpfad durch den Urwald noch besser gefiel. Dieses Exemplar war bestimmt größer als meine Hand samt Fingern, was auf dem Foto leider durch mangelnde Vergleichsmöglichkeit nicht rauskommt. Ich wollte kein Centstück daneben halten ...

 

17. bis 21.05.14

Darwin, Kakadu und Mataranka

Gegen Mittag stochten wir los in Richtung Darwin, Hauptstadt des Northern Territorys und für uns wichtiges Serviceziel, wo wir gerade rechtzeitig vor fünf Uhr – und damit kurz bevor alle Geschäfte ihre Türen schließen – noch ankamen. Uns taten zwar die Daumen vom vielen Drücken schon weh, aber der rechte Hinterreifen hatte trotz der schon vor Hunderten von Kilometern vorhandenen Macke gehalten: endlich mal etwas Glück. Als erstes holten wir uns vom Touricentre eine Liste der Werkstätten in der Gegend, die ich auf der Suche nach den günstigsten Reifen durchtelefonierte, während Tobi Infos über Campingplätze in der Stadt und unser nächstes Ziel, den Kakadu Nationalpark, einholte. Direkt bei der ersten Werkstatt wurde ich fündig, man machte mir einen guten Preis für einen Reifen – was wir schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatten – und hatte sogar Zeit, ihn morgen aufzuziehen. Juhu! Das einzige Problem war, dass sie ihn nicht auch montieren konnten, da der zuständige Mechaniker samstags frei hatte und die anderen dafür nicht zugelassen waren – typisch australische Form der Bürokratie. Nicht so schlimm, schließlich hatten wir den zerfetzten Reifen eh als Reserverad hinten drauf und nicht mehr am Auto dran, und inzwischen können wir Reifen ja auch selbst wechseln. Ich machte also einen Termin für den nächsten Morgen und auch die völlig überhöhten Preise für stadtnahe Campingplätze konnten uns nicht mehr allzu sehr aufregen, so viel wie wir nun an dem Reifen sparten. Wir richteten uns also frohgemutes auf unserem Plätzchen im vollkommen übertrieben luxuriösen FreeSpirit Resort Darwin ein – 3 Pools, fünf Campingbereiche, neonerleuchtete Palmen und so weiter – und schauten noch gemütlich einen Film im Auto.

Übertrieben. Free Spirit Resort Darwin

Der Samstag wurde von Joeys Besuch in der Werkstatt sowie allerlei kleineren organisatorischen Sachen in Anspruch genommen. War schon ganz witzig, auf dem Parkplatz direkt vor der Werkstatt in Eigenregie unseren Reifen zu wechseln – allein der irritierten Blicke von Passanten und anderen Kunden wegen. Wir gingen einkaufen, zur Post, versuchten die Kühltruhe zu reparieren und erstanden schlussendlich eine ‚neue‘ second-hand vom Pfandhändler, mussten allerlei finanziellen Kram regeln – wie zum Beispiel unseren Zebrafels-Einkauf endlich bezahlen – und verbrachten nach getanem Werk den Rest des Nachmittags in der Kunstgallerie der Stadt, die glücklicherweise mit dem Museum zusammengeschlossen ist, wo ich mir einige interessante Ausstellungen über die Aborigineekultur der Region sowie Flora und Fauna um Darwin anschaute während Tobi sich in den Kunstwerken verlor.

Am Sonntag schliefen wir erst mal aus, hatten wir doch bis auf den Besuch von zwei Märkten eigentlich nichts vor. Entsprechend wurde es ein recht chilliger Tag, wir verspeisten eine 2l-Dose Vanilleeis für 2$ aus dem Supermarkt wonach uns beiden speiübel war, versuchten den in Perth gekauften zweiten Scheinwerfer endlich zu montieren, was nebst dem Verlust einer Schraube zur Befestigung der Stoßstange (nicht so wichtig!!) keine Erfolge zutage förderte, und besuchten beide anstehenden Märkte, kauften auf dem ältesten asiatischen Markt der Stadt einer Thailänderin eine verhängnisvolle selbstgemachte gelbe Currypaste ab (dazu später mehr …) und schlenderten bei Sonnenuntergang über die berühmten Mindil Beach Markets, die von 1000$ Didgeridoos über Hippieklamotten bis zu vietnamesischen Gourmetspezialitäten absolut alles anboten. Von der modernen (=elektronisch hinterlegten) Didgeridoomusik und den überall herum wabernden Essensgerüchen dominiert, war es eine wunderschöne Atmosphäre, und wir blieben noch weit bis nach Einbruch der Dunkelheit – obwohl wir löblicherweise nichts kauften, hauptsächlich wohl der 2l-Dose Eis geschuldet, von der uns beiden immer noch etwas flau im Magen war. Naja. Wir fuhren noch bis in die auf halber Strecke zum Kakadu liegenden Sumpfgebiete, wo es einen recht schwer zu findenden Stellplatz an der Straße gab, und schlugen mit unserer neuen Waffe der Räucherspiralen alle heimischen Mückenschwärme in die Flucht. Triumph!

Schrauben an Joey, natürlich mit der 2l Dose Vanilleeis daneben..

Für den nächsten Tag hatten wir von Darwin aus eine Krokodiltour namens ‚Jumping Croc Cruises‘ gebucht – hauptsächlich, weil wir um Kakadu auf jeden Fall eine Flusssafari machen wollten und sie im Park selbst circa doppelt so teuer gewesen wären. Nach ca. 15km Fahrt ab vom Highway über einen Feldweg kamen wir bei einem Holzdock am Adelaide River an, von dem aus uns Captain Harry auf einem kleinen Boot mit Raum für 20 Passagiere auf eines der adrenalinlastigsten Abenteuer unserer Australienreise mitnahm: nebst vielen unterschiedlichsten Vogelarten sahen wir mehrere Salzwasserkrokodile zwischen 2 und 3m Länge, die oft direkt neben dem Boot auftauchten und einem einen Heidenschreck einjagten. Obwohl ich auf Kuba ja schon Krokodile gesehen habe – vor vielen Jahren – war es irgendwie noch beeindruckender, sie so in ihrer natürlichen Umgebung nur wenige Meter – teils nur Zentimeter! – von mir entfernt zu erleben. Und es wurde noch besser: Harry hatte einen riesigen Block Büffelfleisch dabei, das die Crocs wohl lieben; davon wird immer ein kleiner Happen an ein Seil an einem Stab gebunden und das hungrige Krokodil benutzt seine natürlichen Jagdtechniken, die es normal für Vögel und ähnliches anwenden würde, um sich den Happen teils senkrecht aus dem Wasser schießend zu holen. Selbst nach dem vierten oder fünften Mal noch ein kleiner Schockmoment, vor allem weil wir beide als Zuspätkommer (typisch) ganz hinten am Boot und somit am nächsten an Harry und seinem Büffelfetzen saßen. Gänsehaut!! Etwas extrem wurde es, als wir den berühmtesten Bewohner dieses Flussabschnitts und möglicherweise des gesamten Staates trafen: Brutus, ein über 5m großes Riesenkrokodil, hatte vor Jahren als ‚Monster des Northern Territorys‘ Schlagzeilen in der ganzen Welt gemacht und Harrys Geschäft ordentlich angekurbelt. Er wird wohl nicht auf jeder Tour gesichtet und so konnten wir uns wohl glücklich schätzen, ihn tatsächlich gesehen zu haben – fast so lang wie das Boot war er aber echt ein gruseliger Anblick, vor allem als er ganz nah heran kam und uns alle anzuschauen schien. Uah!! Auch er sprang ein paar Mal nach dem Fleischstück am Ende von Harrys Stabkonstruktion, und war definitiv das Highlight der Tour. Ultra beeindruckend!

Frühstück mit Aussicht: unser Rastplatz in den 'wetlands' eines der kleineren Krokodile bei einem schönen Hopser der Vergleich: 2,5... ...zu über 5m! Brutus hat uns gefunden. Krass. 

Nach aufregenden anderthalb Stunden auf dem Fluss fuhren wir weiter in den Kakadu Nationalpark, machten zuerst an einem wunderschönen Moorgebiet halt, und fuhren dann weiter zum Touricentre, wo wir leider erfahren mussten, dass viele der besten Attraktionen des Parks wie auch im Litchfield wegen den nicht lange zurückliegenden Regenfällen noch geschlossen waren. Doof, vor allem weil darunter die zwei riesigen Wasserfälle waren – einer über 200m hoch! – auf die Tobi sich am meisten gefreut hätte. Meh. Auf der anderen Seite reduzierte es die Zeit, die wir zur Besichtigung brauchen würden, und beschleunigte somit unsere Reise gen Cairns. Auch nicht schlecht.

Blick auf die wunderschönen Mamukala Wetlands im Kakadu Nationalpark Mir ist aufgefallen, dass ich länger kein Bild von Kängus oder Wallabies reingestellt hat - was nichts heißt, wir haben sie immer noch an allen Ecken und Enden gesehen, nur irgendwann hört man auf, sie immer zu fotografieren. Hier ist also nochmal eins :)

Am heutigen Tag fuhren wir noch die berühmten Felsmalereien im 'Ubirr' Gebiet im Norden des Parks anschauen, für die sich die 50km lange Anfahrt entgegen meiner Befürchtungen echt lohnte: im Vergleich zu den Malereien am Ayers Rock oder in den Grampians waren es wahre Kunstwerke, echt detailliert ausgearbeitet und trotz ihres Alteres (manche waren an die 10,000 Jahre alt – es gab zwar noch ältere im Park, bis an die 50,000 hatte ich im Darwinschen Museum gelernt, aber die waren nicht für die Öffentlichkeit zugänglich) noch supergut erhalten. Wirklich äußerst beeindruckend und gerade im Abendlicht sehr atmosphärisch. Noch besser als die Malereien fand ich jedoch den von uns erkletterten Lookout, von dem man eine unglaubliche 360° Sicht auf den umliegenden Kakadu-Regenwald gespickt mit Felsaufwürfen auf der einen und die sich am Horizont verlierende Grasfläche des Arnhem Lands auf der anderen Seite. Ich saß bestimmt eine halbe Stunde einfach gedankenverloren auf einem Fels, lauschte den Geräuschen der Natur um mich herum und beobachtete die Sonne auf ihrem Weg zum Horizont. Ein sehr ruhiger, besinnlicher Ort, wunderschön.

Typisch-Kakadu-Szenerie und auch ein Buschfeuer auf dem Weg nach Ubirr Ich bewundere die Jahrtausende alten Kunstwerke Eine Turtle! :3 Einmalige Ausblicke von der Spitze des Lookouts Ich bin ganz versunken.

 

Bei einem Picknickplatz entlang der Straße gen Süden hielten wir und genossen im Qualm der nun allgegenwärtigen Mückenvertreiber die krassesten Burger seit langem, für die wir in Darwin extra eingekauft hatten und die in meinem Falle Honigtofu, Spiegelei, Zwiebeln, Pilze in saurer Sahne, Rucola, Hommus, Krautsalat und und und kombinierten und mein Magenvolumen ziemlich überlasteten. Krass, aber saulecker. Pappsatt ging  es zu einem der im Park verteilten öffentlichen Campingplätze, wo wir für 10$ ganz alleine standen und so mal wieder eine Dosis Abgeschiedenheit genossen.

Am nächsten Tag besuchten wir noch eine Felsgallerie namens Nourlangie, die jedoch nicht ganz so schön war wie die vorherige – fand ich zumindest, Tobi fand sie ebenfalls sehr beeindruckend – und fuhren dann um ein wenig Hintergrundwissen zu sammeln zum Kulturzentrum, wo wir bestimmt eine Stunde lang durch die vielen Ausstellungen zum traditionellen und heutigen Leben der Aboriginees spazierten. Wirklich sehr aufschlussreich und interessant.

Die wohl bekannteste Zeichnung in ganz Kakadu, die auch auf vielen Postkarten zu sehen ist Ausblick vom Nourlangie Aussichtspunkt

Anschließend fuhren wir zunächst noch zum tollenen Kukbukluk Aussichtspunkt, und dann über die schlimmste Offroadstrecke unseres ganzen Trips – voller ausgetrockneter Flussbetten, fußballgroßer Steine, fast senkrechter Abhänge und schlecht einsehbarer Kurven – zu den einzigen schon geöffneten Wasserfällen des ganzen Parks, den ‚Gunlom Falls‘, von denen wir uns nicht soo viel erwartet, die aber überraschend szenisch und nicht wenig beeindruckend waren. Eine Aborigineefamilie bereitete hier gerade ein Lagerfeuer vor, während die Kinder am Wasserloch spielten, was dem ganzen Ort irgendwie eine authentische, schöne Atmosphäre verlieh. Sehr schön. Wir wanderten – natürlich – bis auf den Lookout und zu den oberhalb des Wasserfalls gelegenen Pools, zum Schwimmen hatten wir leider keine Zeit – wollten wir doch in jedem Fall noch im Hellen über die Todesstrecke zurück fahren – aber auch so war es wirklich superschön dort oben und wir freuten uns, die anstrengende Anfahrt auf uns genommen zu haben.

Tolles Dschungelpanorama vom Kukbukluk  Am Fuße der Gunlom Falls angekommen - und die sich natürlich sofort anschließende Wanderung nach oben, mit solchen Ausblicken doch lohnend! rüber zu den oberen Felspools geht's noch... ...die auch ihren ganz eigenen Charme haben. 

So verließen wir Kakadu mit dem Gefühl, das meiste aus unserem recht kurzen Aufenthalt gemacht und trotz der vielen geschlossenen Sehenswürdigkeiten noch viel herausgeholt zu haben. Echt gut.

Zufrieden verlassen wir Kakadu :)

Am nächsten Morgen fuhren wir von unserem Rastplatz kurz nach dem Kakadu weiter gen Süden zurück nach Katherine, das wir nur eines Tankstops würdigten, bevor es weiter ins ca. 100km weiter südliche Mataranka ging. Wir hatten von den hier befindlichen heißen Quellen gelesen, für die wir eigentlich nur einen kurzen Stop eingeplant hatten – aber kann ja auch keiner ahnen, worum es sich dabei handelt! Wir waren von mit Holzstegen umrandeten resort-style Pools ausgegangen, touristisch entwickelt und von Leuten überlaufen. So war es ehrlich gesagt auch im Reiseführer und in ‚Australien im Kopf‘ beschrieben gewesen, weshalb wir von Anfang an die etwas abgelegenen Pools im Nationalpark bei Mataranka und nicht im Örtchen selbst ansteuerten. Keine Ahnung, ob es daran lag, aber es war auf jeden Fall eines der paradiesischsten Fleckchen Erde, die wir bisher so besucht haben. Das Wasser war angenehme 34° warm – ich sage bewusst nicht heiß – und floss wie ein kleiner Fluss bestimmt 50m durch Palmen und duftende Urwaldgewächse, an denen man wie ich entspannt vorbei treiben oder wie Tobi mit Taucherbrille nach exotischen Fischen im kristallklaren Wasser tauchen konnte. Wirklich fantastisch, wir verbrachten Stunden im warmen Wasser, trafen nur ab und zu ein paar Menschen und sahen zum Schluss sogar noch eine Süßwasserschildkröte, der wir bestimmt zehn Minuten beim Grasen unter Wasser zuschauen konnten. Wie gesagt, ein kleines Fleckchen Paradies. Wir hatten komplett die Zeit vergessen und kamen erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit aus Mataranka los – aber das war es wert gewesen!

Im warmen Wasser zwischen Palmen und Schilf daher dümpeln: dermaßen entspannend!  Die Klarheit des Wassers war einfach unglaublich. Hier sahen wir die Schildkröte: nach genau diesem einen Foto war der Kamera Akku völlig leer, es ist leider nicht perfekt, aber doch besser als nichts :)

In einem Monat halb um den Kontinent - Teil 5

28Mai2014

22. bis 24.05.14

Auf gen Westen: der Savannah Way und das Atherton Tableland

Nun waren wir praktisch fertig mit dem Top End von Australien und so galt es nun, so schnell wie möglich nach Cairns zu gelangen. Tobi wollte zwar noch am ein oder anderen Flüsschen angeln, aber davon abgesehen hatten wir zwischen hier und Cairns keine Termine mehr und gaben Gas, was das Zeug hielt. Wir hatten uns entschieden, nicht den meistbefahrenen Stuart Highway zu fahren, da dieser einen Riesenumweg bedeutet hätte, sondern stattdessen die weniger frequentierte Strecke des ‚Savannah Ways‘ durch Käffer wie Borroloola, Doomadgee, Burketown und Normanton einzuschlagen, die zwar teils unbefestigt ist, uns aber Hunderte von Kilometern und somit sehr viel Spritgeld sparen würde. Um das mal zu verdeutlichen: anstatt so fuhren wir so, mit kurzem Abstecher ins Atherton Tableland gen Ende.

Wir waren nach Mataranka noch um die 400km gefahren (!!) und so hatten wir es am nächsten Tag nicht mehr weit bis Borroloola, dem letzten Örtchen irgendwo im Nirgendwo auf Northern Territory Seite, bevor es über eine unbefestigte Piste, von der wir schon Übles gehört hatten, rüber nach Queensland gehen sollte. Die als Highway geltende Straße nach Borroloola hatte es jedoch auch schon in sich, war sie doch nur einspurig geteert und wenn zwei Autos sich entgegenkamen mussten beide mit je zwei Rädern vom Asphalt herunter, um aneinander vorbei zu kommen. Bei genau so einem Manöver passierte es: ein roadtrain mit drei Anhängern raste gerade in einem Affenzahn an uns vorbei, als ein ohrenbetäubender Knall ertönte und wir beide vor Schreck zusammenzuckten – klar, der entgegenkommende Riesenlaster hatte uns einen ansehnlich großen Felsbrocken auf die Windschutzscheibe gekickt, in der nun ein circa tischtennisballgroßer, sternförmiger Riss auf Fahrerseite prangte. DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! Wo war nur Joeys Schutzengel hin?!

Wir ärgerten uns schwarz und wetterten abwechselnd über unser kürzliches Pech im Allgemeinen und diesen rücksichtslosen Lastwagenfahrer im Besonderen, in Borroloola angekommen war die Stimmung dann auf dem Tiefpunkt. Noch weitere Ausgaben für das Auto, und dann noch so unnötige. Mehr als ärgerlich. Nachdem wir bei unserer Teilkaskoversicherung angerufen hatten, wo mich der Berater wahrscheinlich nach dem Telefonat allein für die Frage nach Erstattung der Reparaturkosten auslachte, und meine Eltern um Rat gefragt hatten, fuhren wir zur winzigen Werkstatt des Nestes, wo wir das große Glück hatten, selbstlose und fachmännische Beratung zu bekommen – die Mechanikerin schaute sich den Schaden kurz an und meinte dann, Tobis erste Reaktion, es mit Tesa abzukleben, sei schon sehr gut, wir sollten einfach versuchen damit weiter bis Cairns zu fahren, es würde vielleicht weiter reißen aber nie splittern, und an der Ostküste wäre es sicherlich sehr viel günstiger, eine neue Scheibe einsetzen zu lassen – zum Kleben sei es leider wohl zu groß. Mhh, hatten wir uns schlimmer vorgestellt, in Deutschland würde man in solch einem Fall wahrscheinlich das Auto abstellen müssen, gerade bei einem Riss auf Fahrerseite.

Einigermaßen beschwichtigt fuhren wir also nach einem Tankstop weiter über die nun unbefestigte offroad-Strecke, die noch weniger befahren war als der Outback Way vom Uluru nach Westaustralien und auch tatsächlich in einem weitaus schlechteren Zustand. Immer wieder war die Straße von einem Bach- oder Flusslauf überschwemmt, durch die wir unterschiedlich gut durchkamen – oft war das Flussbett voller riesiger spitzer Steine und ich bangte um unsere neuen Reifen –, entlang der ganzen circa 500km standen ständig Rinderherden an und auf der Straße, die sich trotz Hupens weigerten, die Fahrbahn zu verlassen, und auch die vielen steilen Senken machten das Fahren nicht gerade angenehmer. Hier muss ich mal ein riesiges Lob an Tobi aussprechen, er ist inzwischen total routiniert im Fahren auf solch schwierigem Terrain und machte das alles mit absoluter Gelassenheit, während ich neben ihm teils die Krise kriegte. Echt 1A.

Der Savannah Way: Outback-Way-Feeling, nur mit mehr Bäumen am Straßenrand... ... und Kühen statt Kamelen. Tobi war ohne zu bremsen auf sie zugerast und musste dann eine Vollbremsung einlegen, kam mit quietschenden Reifen genau so kurz vor ihr zum Stehen und sie guckte uns weiterhin ungerührt durch die Windschutzscheibe. Unfassbar, das Viech!! Von solchen Flussdurchfahrten gab es bestimmt an die fünfzehn Auch hier standen jede Menge Termitenhügel entlang des Weges

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir im queensländischen Burketown an, wo wieder der Asphalt einsetzte, hatten ein paar Schwierigkeiten auf der Suche nach dem im ‚Guide to free campsites‘ verzeichneten  Rastplatz und stellten uns schließlich kurzerhand auf einen Platz am Fluss ziemlich weit ab der Straße, der über einen sehr schlechten da total ausgewaschenen Pfad erreichbar war, wo uns keine ‚No Camping‘ Schilder zur Weiterfahrt zwingen wollten und auch weit und breit niemand in Sicht war. Sehr schön. Wir standen zwar sehr nahe am Fluss und so hatte ich schon ein wenig Bedenken wegen der Krokodile, aber die Erschöpfung nach einem langen Tag des Fahrens siegte und wir pennten bestimmt innerhalb von Sekunden ein.

Am nächsten Morgen waren weit und breit keine Crocs in Sicht und so beschloss Tobi, mal ein wenig sein Anglerglück auf die Probe zu stellen – leider und zu seiner Enttäuschung zwar ohne Erfolg, aber in Normanton weiter gen Osten wurde uns später erklärt, man hätte diese Regensaison einfach zu wenig Niederschlag gehabt und deshalb sei das Barramundifischen momentan nirgendwo in der Region so gut wie sonst und wie in unseren Reiseführern beschrieben. Zumindest ein kleines Trostpflaster: andere fingen auch nichts. In Normanton schauten wir uns noch kurz den Blickfänger Nummer Eins entlang der Straße an, ein originalgetreues Modell von Krys dem Krokodil, einem fast 9m langen Ungetüm das 1957 von Krokodiljägern bei Normanton erlegt worden ist: bis heute Weltrekord! Selbst das Modell war schon furchteinflößend und mir kam unser Brutus dagegen schon fast handzahm und ungefährlich vor. :D

Morgendliches Angeln am Albert River bei Burketown: zwar ohne Erfolg, aber szenisch sehr schön :) Ich präsentiere: Krys das Monsterkrokodil 0o

Nach einem weiteren Stop später am Tag am Lake Belmore bei der ehemaligen Goldrausch-Stadt Croydon, an dessen Ufern Tobi beim Angeln zwar seinen ersten Barramundi fing, sich aber auch drei Köder abriss und zu guter Letzt die Angel zerbrach und danach überhaupt keinen Bock mehr auf Angeln hatte – JEMALS – kamen wir fast schon in greifbare Nähe zu Cairns: unter 300km waren es am nächsten Tag nur noch! Wir machten noch Stops an den schönen Millstream Falls sowie an mehreren Lookouts im Atherton Tableland kurz vor Cairns, das landschaftlich mit seinen hügeligen Wiesen und enorm hohen bewaldeten Bergen eine mehr als willkommene Abwechslung zum trockenen Outback des Savannah Ways darstellte. Besonders überrascht waren wir, schon hier auf urwaldähnliche Vegetation zu treffen, die vor allem auf unserer kleinen Wanderung zum durch Vulkanaktivitäten entstandenen Mt Hypipamee Krater zu bewundern war – ich liebe ja den Geruch und die Geräuschkulisse in solchen Wäldern und auch der spätere Spaziergang zum ‚curtain fig tree‘, einem wie ein Vorhang gewachsenen Feigenbaum der aussah, als hätte man ihm vom Herr-der-Ringe-Set gestohlen, gefiel Tobi und mir ausnehmend gut.

Verhängnisvolles Angeln am Lake Belmore... ...des Abends war die Rute irgendwie kürzer geworden........ ..und so konnte der arme Tobi auch dem wunderschönen Sonnenuntergang nicht mehr viel abgewinnen Am nächsten Tag bot sich auf der Weiterfahrt eine komplett andere Landschaft - grün, wie lange haben wir dich nicht mehr gesehen!! Die Millstream Falls mit ihrem Hintergrund aus Vulkangestein auf der Wanderung zum Mt Hypipamee Krater genießen wir die inzwischen schon ungewohnte Üppigkeit des Regenwaldes, der offensichtlich mehr 'Regen' hat als Kakadu! Der Krater selbst: mit all den schwebenden Wurzeln und dem tief unten liegenden Wasser erinnerte er mich irgendwie an die schwebenden Berge aus Avatar Entlang des ganzen Weges durch's Atherton Tableland reihten sich solche Ausblicke aneinander, die für unsere vom langen Fahren durch's Outback mitgenommenen Augen wahre Offenbarungen waren Surreal: der riesige Curtain Fig Tree

 

Die einzige unangenehme Ausnahme auf dem Endspurt vor Cairns war der fast 50km lange Straßenabschnitt durch die Berge kurz vor Cairns, der mit all seinen Kurven die Great Ocean Road um Längen schlug und zwar szenisch erste Sahne, für mich mit meiner Autoübelkeit aber trotzdem sehr strapaziös war. Puh.

Auch für diese fantastischen Ausblicke würde ich die Strecke nicht nochmal fahren wollen.

 

25.05.14 bis heute

Endlich in Cairns: Ankunft, Daintree und der Stand der Dinge

Das Ziel so vieler Tausender Kilometer war erreicht! Mal wieder hatten wir nicht allzu viel Zeit an der Hand und wollten so schnell wie möglich so viele Informationen wie möglich über Tauchtrips und –touren zusammensammeln, uns schnell entscheiden und so unsere Aufenthaltszeit auf ein Minimum verkürzen – wir wollten schließlich weiter die Küste gen Süden herunter um auf jeden Fall noch die Whitsundays und Fraser Island zu sehen, bevor wir das Auto in Brisbane oder Sydney verkaufen würden. Und zwar bald.

Wir stürmten also das erste Discount-Tourbüro an dem wir vorbeikamen und wurden vom Angebot förmlich erschlagen: hatte es in Exmouth genau zwei Tauchveranstalter gegeben, von denen nur einer eine Bootstour anbot, so gab es hier mindestens zwanzig, aber gefühlte hundert, boten die meisten doch noch einmal in sich einen Haufen verschiedener Optionen an – von teuer zu sauteuer, spartanisch zu luxuriös, zwölf bis zweihundert Passagieren, halbtägigen bis zu einwöchigen Touren war alles zu haben. Außer ‚günstig‘ oder sagen wir mal, ‚für uns erschwinglich‘. Ach du liebe Zeit! Der etwas übermäßig engagierte und uns müde Reisende mit seiner brillanten Laune und sprühender Lebensfreude etwas erschlagende Angestellte – ich glaube Manager – des Reisebüros quatschte uns über eine Tour nach der anderen zu und als wir mit circa einem Kilo an Broschüren und Flyern wieder heraus stolperten, drehte sich uns der Kopf. Wir suchten uns erst mal per Herumtelefonieren eine Unterkunft, um dort alles in Ruhe durchschauen und organisieren zu können. Ausnahmsweise mal ging es nicht auf einen Campingplatz, waren die in akzeptabler Nähe zu Cairns liegenden doch einfach noch überteuerter als die in Darwin schon, und ich fand in einem sogar sehr zentral gelegenen Hostel eine super Alternative: man erlaubte uns, für nur 20$ auf ihrem Privatparkplatz zu stehen und alle Annehmlichkeiten wie Küche, Bäder, Fernsehen, Pooltisch und vor allem INTERNET mit zu nutzen. Genial!

Wir richteten uns also mit Laptop und Broschüren im Gemeinschaftsraum  häuslich ein und recherchierten bis nach 2 Uhr nachts Tauchtrips ans Riff um Cairns, fühlten uns danach zwar bestens informiert, hatten aber immer noch kein gutes Angebot auftreiben können – eigentlich wollten wir auf jeden Fall einen mehrtägigen Trip an die etwas weiter außen liegenden Teile des Riffs machen, die von den vielen Tagestouribooten noch nicht so beschädigt und im Vergleich dazu wohl noch recht unberührt waren, aber die wirklich vielversprechenden solcher Touren lagen preislich für uns im absoluten Jenseits, wohingegen die günstigeren nicht speziell auf Taucher ausgelegt und teils eher schwimmende Hotels mit über 50 Passagieren waren, worauf wir auch keinen Bock hatten – da geht jegliche persönliche Taucherfahrung ja völlig unter. Eigentlich hatten wir uns Hoffnungen auf sogenannte ‚Standby-Preise‘ gemacht, last-minute-Deals, die die Autoren von ‚Australien im Kopf‘ 2003 wohl noch bekommen haben, die laut Reisebüroangestelltem und auch der netten Deutschen an der Hostelrezeption inzwischen aber längst nicht mehr üblich waren. Es finden sich wohl auch so genug Kunden für alle Anbieter und die Boote waren wohl meist sowieso schon im Voraus ausgebucht. Recht deprimiert gingen wir also schlafen und wollten am nächsten Morgen noch einmal die anderen Discountbüros der Stadt abklappern und sehen, was sich machen ließ – wurden jedoch eher fündig als gedacht.

Die eben schon erwähnte nette deutsche Reisende an der Hostelrezeption, die wohl schon ziemlich viel rumgekommen war und sogar einen Tauchlehrerschein hatte, empfahl uns einen Anbieter, von dem wir noch gar nichts gehört hatten: die ‚Rum Runner‘ war ein vergleichsweise kleines Segelboot im Familienbesitz, das mit bis zu 16 Passagieren zwar wenig luxuriöse, aber dafür authentische und persönliche 2-Tages-Trips (eine Nacht an Bord) mit 6 Tauchgängen an Spots am äußeren Riff machte – zwar nicht so weit außen, wie wir es uns eigentlich erhofft hatten, aber für den verlangten Preis, der nicht viel teurer als so manch andere Tagestour war obwohl doppelt so viele Tauchgänge geboten wurden und immerhin alle Tauchausrüstung sowie Verpflegung und Unterkunft in einer Doppelkabine beinhaltet waren, würden wir niemals auch nur Vergleichbares bekommen und so entschieden wir uns nach kurzer Bedenkzeit, in welcher die einzige richtig schlechte Bewertung auf TripAdvisor unter die Lupe genommen und für unerheblich befunden wurde (man kann hier wie gesagt nun mal nicht die Luxus-1A-Tauchtour an den allerbesten Spots des Riffs erwarten) für eine am Dienstag (es war Sonntag) startende Tour auf der Rum Runner. Juhuu! Wir hatten schon jegliche Hoffnungen aufgegeben, so günstig wegzukommen, und hofften die Tour würde ihr Geld wert sein. Super. Bei den Ersparnissen buchten wir gleich eine Unterwasserkamera zur Miete vom Hostel mit hinzu, die im Vergleich zu Exmouth sogar richtig günstig war. So weit so gut!

Guter Ding fuhren wir also zunächst zu ‚Rusty’s Markets‘, Cairns‘ tropischer Version von Sydneys Paddy’s und Melbournes Victoria Markets, wo wir einen riesigen Haufen tropischer Früchte zu Spottpreise verglichen mit den Supermärkten im Outback einluden – darunter eine ganze Kiste mit mindestens 20 Maracujas für 2$, von denen sofort einige leergeschlürft wurden – endlich wieder!! Ein herrliches Gefühl. Nach kurzem Abstecher zum Supermarkt fuhren wir dann in Richtung des Daintree Regenwaldes etwas über 100km nördlich von Cairns, den wir in der verbleibenden Zeit bis zur Tour noch schnell abhaken wollten.

Wieder kamen wir durch die Cairns umringende Landschaft des Atherton Tablelands, diesmal geprägt von endlosen Zuckerrohrfeldern und den im Hintergrund aufragenden hohen grünen Bergketten, die zusammen mit der Küste und den tropischen Palmenstränden ein fantastisches Panorama boten. Da macht das Fahren doch wieder richtig Freude. Um in das Herzstück des Regenwaldes nahe des berühmten von Captain Cook benannten Cape Tribulation zu gelangen, muss man zunächst auf einer Fähre den Daintree River überqueren, was uns ob der Beliebtheit der Region bei Touristen kostenbedingt ein wenig Sorgen gemacht hatte – unbegründet, waren die 20$ hin und zurück für ein Auto doch echt ok.

Herrliche Szenerie und... ... Ausblicke auf die Küste entlang der Strecke in den Daintree Die Autofähre rüber ins Herz des Regenwaldes

Am selben Tag besuchten wir noch einen superschönen Aussichtspunkt und machten bei schwindendem Licht eine sehr schöne Wanderung durch die üppige Vegetation des Weltnaturerbes Daintree, bei der wir über Infotafeln eine Menge dazu lernten – zum Beispiel, dass dies einer der ältesten Regenwälder der Welt ist, mit vielen endemischen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten: ein wahres Refugium! Gerade bei einbrechender Dunkelheit hatte es etwas ganz Eigenes, zwischen den alten Bäumen mit den herabhängenden Wurzeln, Bachläufen und moosbewachsenen Farnen umher zu wandern, war die Atmosphäre doch nochmal eine ganz andere und irgendwie ein wenig andächtig. Mal wieder hatten wir das alles wunderbarerweise ganz für uns alleine.

Wundervoller Aussichtspunkt auf die Mündung des Daintree River und den umliegenden Regenwald Auf dem Pfad durch den Dschungel Ein fast schon mystischer Ort... ...im Dunkeln nochmal etwas ganz anderes *-*

Sehr zufrieden mit dieser ersten Daintree-Erfahrung versuchten wir unser Glück auf dem öffentlichen Camping des Parks, der natürlich längst voll war, und mussten wohl oder übel auf ‚PK’s Jungle Village‘ umschwenken, Sammelbecken und ‚party central‘ für alle Backpacker und feierlustigen Jugendliche im Daintree, somit natürlich nicht unsere Wahl Nummer 1, aber was will man machen. Wir verabschiedeten uns schon mal vom romantischen Campen unterm Blätterdach, wurden jedoch positiv überrascht: weder der Camping noch die bungalow-mäßigen Mehrbettzimmer schienen besonders voll zu sein, und obwohl in der ‚Jungle Bar‘ durchaus einiges los war – lustig mitten im Regenwald in einer Bambushütte saufende Backpacker zu treffen – war unser kleines Plätzchen doch etwas abgelegen und sehr ruhig, die Campküche hatten wir für uns alleine und überteuert war das Ganze auch nicht mal. Sehr schön.

So, und jetzt komme ich endlich auf die in Darwin bei ‚Mrs Samchoy‘ gekaufte selbstgemachte gelbe Currypaste zurück – ihr erinnert euch, sie war als verhängnisvoll beschrieben – die wir nämlich zusammen mit den extra bei Rusty’s erworbenen Köstlichkeiten – Pak Choy, Frühlingszwiebeln, Paprika, Wasserkastanien und alles was man für ein authentisches Veggie-Thaicurry so braucht – heute zubereiten wollten. Soweit alles gut, bis ich den ersten Löffel probierte – und mich augenblicklich in die nächste krokodilverseuchte Schlammpfütze stürzen wollte: noch nie in meinem ganzen Leben, nicht in Thailand selbst und nicht wenn ich mal was bei Tobi oder Nut probiert hatte, hatte ich JEMALS etwas so Scharfes gegessen, und ich wusste echt nicht wohin mit mir. Sogar Tobi sah nach ein paar Löffeln etwas mitgenommen aus und holte Taschentücher aus dem Toilettengebäude. Unfassbar, das Zeug konnte man ja als Waffe verkaufen!! Ich aß meinen Reis praktisch pur, mit je ein paar Partikeln Gemüse dabei, während Tobi, der Wahnsinnige, seine Schüssel tatsächlich leerlöffelte. Danach lagen wir beide mit Magenkrämpfen darnieder und verfluchten Mrs Samchoy, die durchaus mal ein nett gemeintes ‚hot‘ oder ‚spicy‘, wenn nicht schon ‚fatal‘ auf die Dose hätte schreiben können. Wir waren absolut am Ende und schleppten uns mit Magenkrämpfen und Schweißausbrüchen ins Auto, wo wir so schnell wie möglich versuchten einzuschlafen. Was ein kulinarisches Schreckensszenario.

Das verhängnisvolle gelbe Curry...

Am nächsten Morgen fühlten wir uns irgendwie beide immer noch beschissen. Nichtsdesto – oder gerade trotz dessen machten wir uns erst mal einen fetten Obstsalat um unseren malträtierten Körpern etwas Gutes zu tun – eine Ananas-Bananen-Birnen-Orangen-Maracuja-Melonen-Vitaminbombe später ging es Tobi auch bedeutend besser, ich hatte immer noch Halsschmerzen und ein beginnendes Pochen im Kopf. Oh-oh. Es so gut es ging ignorierend besuchten wir noch die ausstehenden Sehenswürdigkeiten im Park, inklusive Cape Tribulation, wo wir wieder ein bisschen wanderten und die Mangrovenwälder zwischen Strand und Urwald auf mehreren Holzstegen erkundeten, die trotz des bewölkten Himmels und der ausbleibenden Sonne, die das Ganze bestimmt noch viel paradiesischer macht, noch wunderschön waren.

Unser Fruchtgelage am Morgen Der Strand direkt vor PK's Jungle Village Ausblick am Cape Tribulation: bei Sonnenschein sicher noch schöner! Mangroven am Strand: ultimatives Tropengefühl :3 auf weiterer Expedition durch den Daintree Die irren Wurzeln der Mangrovenwälder im Schlamm Das Ziel unseres heutigen Wanderpfades durch den Dschungel: eine schöne Lichtung mit kleine See und Ufermangroven

Am Nachmittag waren wir dann zurück in Cairns und fuhren zuerst zu einer Werkstatt um nochmal jemanden einen Blick auf die Scheibe werfen zu lassen, und auch dieser Mechaniker riet uns, einfach weiter nach Süden zu fahren, es hatte sich seit dem Unglück nichts getan und er meinte, wenn es sein Auto wäre, würde er es einfach so lassen – mal wieder undenkbar in der Heimat! Wir besorgten uns noch Tabletten gegen Seekrankheit für den nächsten Tag und checkten dann wieder im Hostel ein, wo es mit meinem Gesundheitszustand rapide bergab ging. Später am Abend saß ich dann heulend im Gemeinschaftsraum, mit Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und anhaltenden Halsschmerzen. Und morgen um 7Uhr sollten wir mit der Rum Runner auf große Tauchtour gehen?! Ich schlurfte in beschriebenem Zustand zur Rezeption, wo heute zwar ein anderes, aber nicht minder nettes Mädchen saß, das sofort beim Veranstalter anrief und darauf bestand, dass unsere Buchung auf Donnerstag umverlegt würde. Auch die gemietete Kamera buchte sie um und wünschte mir gute Besserung – sie selbst habe die zur Zeit umgehende Grippe auch erwischt. Am nächsten Tag war auch eine Vertretung für sie einbestellt. Na sowas, ich war also in guter Gesellschaft. Das mit der Umbuchung ist zwar für unseren Zeitsparplan schön blöd, und wir haben uns natürlich über die Maßen geärgert, vor allem weil ich am nächsten Tag – gestern – immer noch krank war und mich erst heute ein kleines bisschen besser fühle, was im Hostel immer scheiße ist, aber so hätte mir der Tauchtrip sicherlich keinen Spaß gemacht und wahrscheinlich hätte mich die Crew gar nicht erst ins Wasser gelassen.

Der Gemeinschaftsraum des Njoy! Hostels in Cairns, oder meine Heimat in den letzten zwei Tagen sehr viel schöner, aber mit schlechterem Internet und für Fröstelnde eher ungünstig: der tropische offene Hinterhof

Ja, und das ist im Moment auch eigentlich der Stand der Dinge, mein Pech ist euer Glück, denn nun habe ich den ganzen gestrigen Tag eingeschnuggelt auf der Couch im Gemeinschaftsraum verbracht – immer noch fiebrig und krank :( – und anstatt zu lesen, einen Film zu gucken oder ein wenig zu schlafen für euch diesen mal wieder ausgearteten Blogeintrag zu Ende gebracht, den ich schon bei Broome angefangen habe zu schreiben, täglich während des Fahrens im Auto an der Handytastatur (!!) ausgearbeitet hab und in dem diesmal wirklich noch mehr Herzblut und Mühe steckt als auch sonst schon. Ich weiß, ihr wisst es zu schätzen, und habe mich auch letztes Mal riesig über all eure Kommentare gefreut – danke an Ulrike und meine Eltern wie immer, diesmal auch Ingrid und Mattes&Betti im speziellen – solch Feedback ist immer wieder Ansporn für mich, wenn ich eigentlich überhaupt keine Muße mehr zum Schreiben habe und mich trotzdem irgendwie motivieren muss. Wie gestern. Vielen vielen Dank und ich freue mich schon darauf, euch in wenigen Wochen – WOCHEN!! – in Deutschland wieder zu sehen und das alles persönlich erzählen zu können <3

Für uns geht es nun also morgen auf die Rum Runner und auf große Expedition, ich werde wahrscheinlich nochmal aus Australien posten wenn wir das Auto verkaufen, dafür müssen wir schließlich auch längere Zeit an einem Ort verbringen, bis dahin verabschiede ich mich dann mal und konzentriere mich darauf, möglichst viel Energie und Kraft für’s Tauchen morgen zu sammeln – bis dahin!

Ahoi! Hannah

Über 8000km später - Teil 1

27April2014

Unglaublich, aber wahr: uns gibt es auch noch. Die meisten haben wahrscheinlich jetzt seit über einem Monat kein Wörtchen von uns gehört oder gelesen – was aber wirklich, wirklich nicht an meiner Schreibfaulheit liegt, sondern an der Tatsache, dass wir nur in etwa 10% der Zeit überhaupt Handynetz, geschweige denn Internet hatten. Somit ließ dieser wie ich weiß von vielen lang ersehnte Blogeintrag (du darfst dich angesprochen fühlen, Marius…) wohl länger auf sich warten als angekündigt - aber zumindest ein Versprechen löse ich ein: ich kann von genug Abenteuern der letzten 39 Tage bzw. für uns ca. 8000km berichten, um die lange Durststrecke wieder wettzumachen. Inzwischen hab ich sogar die Deluxe-Premium-Version von auslandsblog erworben (müssen), um euch auch weiterhin Fotos präsentieren zu können - Spenden ob dieses größeren finanziellen Aufwandes meinerseits sind durchaus gerne gesehen. ^^ Leider hat das Freischalten des zusätzlichen Fotospeichers länger gedauert als gedacht und so musste ich über 200 Fotos aus früheren Blogeinträgen (Dezember/Februar) löschen, um diese hier hochladen zu können. Sobald ich genug Zeit und Internet habe (vermutlich erst zu Hause), werde ich sie wieder reinstellen - ich dachte und ihr stimmt mir da hoffentlich zu, dass die neuen Bilder erstmal Vorrang haben :)
Also, back to business: Hier ist, was wir seit Aufbruch in Melbourne erlebt haben.

 

Es geht los!: Phillip Island 19./20.03.14

Wie ja schon angekündigt ging unsere erste Expedition am 19.03. zur ca. 130km südlich von Melbourne gelegenen Phillip Island – hauptsächlich, um die dort ansässigen Zwergpinguine, die Kleinsten ihrer Art, bei der allabendlichen Penguin Parade bewundern zu können. Unser Gepäckvolumen und den dazugehörigen Packaufwand mal wieder unterschätzend, schafften wir es nur gerade so pünktlich zum Sonnenuntergang zum Penguin Conservation Centre auf Phillip Island – selbst in so einem Riesenauto wie Joey wurde es eng mit unserem ganzen Zeug.

Man muss zwar nicht gerade wenig Eintritt bezahlen – um eigentlich nur an den Strand zu dürfen –, aber da sämtliche Einnahmen dem Erhalt und der Pflege der Pinguinkolonie zugute kommen (von einem Eintrittsgeld kann z.B. ein Holzunterschlupf finanziert werden), fühlten wir uns trotzdem nicht um unser Geld betrogen und machten uns guter Dinge über die Holzstege durch die Dünen auf den Weg zu den Tribünen am Strand. Es war wohl vergleichsweise wenig los und so warteten wir mit nur wenig anderen Leuten gespannt auf die Ankunft der Pinguine. Es ist nämlich so, dass diese besondere Art jeden Abend genau zum Sonnenuntergang von der Futtersuche auf hoher See zu ihren Nestern in den Dünen zurückkehrt – wobei sie in unterschiedlich großen Gruppen von 10-100 Individuen in der Brandung anlanden, vorsichtig ein paar Schritte auf den Strand wagen, sich geduckt weiter vorpirschen, dann plötzlich stehen bleiben, sich ohne ersichtlichen Grund alarmiert umgucken und so schnell es geht wieder ins Meer flüchten. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zu zehn Mal, bevor ein mutig voranpreschender Pinguin den Sprint über den offenen Strand zu den Dünen einleitet und alle hinterher rasen. Ein irres Phänomen, das uns über gut 2 Stunden faszinierte – bis der letzte Pinguin es in die Dünen geschafft hatte.  Danach wird das Flutlicht, das vorher den Strand erhellt hat, ausgeschaltet und man kann auf den Stegen durch die Dünen schlendern und den überall herum watschelnden Pinguinen zusehen, die in ihre Nester pilgern, sich gegenseitig die Gefieder putzen oder einfach direkt am oder auf dem Weg herumstehen und sich augenscheinlich kein bisschen an den anwesenden Menschen stören. Ich war absolut hin und weg und wir blieben so lange, bis man auch alle anderen Lichter ausmachte und uns so signalisierte, dass man zu schließen gedachte. Als letzte Besucher verließen wir selig das Zentrum und fuhren zum nächstbesten Parkplatz am Strand, wo es ja noch das Bett im Auto aufzubauen galt – keine einfache Aufgabe, und als wir es endlich geschafft hatten und drin lagen, beschlossen wir, es nie wieder runterzuklappen – was wir seitdem auch nicht gemacht haben. :D

Am nächsten Tag entdeckten wir erst einmal die Schönheit des zufällig ausgewählten Strandes, den wir gestern im Dunkeln ja gar nicht gesehen hatten, bevor es nach einigen Packmaßnahmen – schon schwieriger mit so einem runtergeklappten Bett – zur weiteren Erkundung der Insel losging. Wir fuhren ganz vorne an die westliche Spitze, um uns die Küste anzusehen, und machten danach noch einen kurzen Spaziergang durch die Mangrovenwälder im Osten, die wohl ein wahres Vogelparadies sind. Nach einem schnell gekochten Abendessen im Hafen fuhren wir im Dunkeln noch zurück nach Melbourne, wo wir unauffällig zwischen anderen Autos in der Straße vor unserer alten Wohnung parkten und schnell in unser Bettchen krabbelten (‚im Auto pennen‘ fällt nämlich wohl unter ‚campen‘ und ist somit in und um so gut wie allen australischen Städten in der Öffentlichkeit verboten).

So haben wir's ganz gemütlich in unserem Joey Weniger entspannt ist leider das regelmäßige Packchaos :/ Blick auf den fantastischen Strand, an dem wir unwissend übernachtet hatten Geschirr waschen Backpacker Style Die spektakuläre Küste am westlichen Kap Holzsteg durch die Mangroven Abendessen am Hafen mit neugierigen Beobachtern :)

Von den Pinguinen durfte man leider keine Fotos machen und es waren tatsächlich auch Ranger vor Ort, um diese Regel durchzusetzen, auf dieser Website könnt ihr euch aber sogar ein Video angucken :)

 

Great Ocean Road 21.-23.03.14

Am nächsten Tag hatten wir eigentlich schnell loskommen wollen, aber da wir noch viel zu viel in Melbourne zu erledigen hatten, wurde es später Nachmittag, bis wir uns endlich auf dem Highway in Richtung Südwesten wiederfanden. So war es auch schon fast dunkel, als wir nach ca. 150km am ersten Abschnitt der Great Ocean Road ankamen, was für uns Linksverkehramateure bei der kurvigen Strecke und im einsetzenden Regen gar nicht mal so super war. So machten wir auch drei Kreuze, als wir auf dem in unserem ‚Guide to free campsites‘ gefundenen kostenlosen Stellplatz im Otway National Park nördlich der Küste ankamen. Dieser Guide hat sich im übrigen als wahre Goldgrube erwiesen – obwohl Campingplätze immer noch billiger sind als Hostel, läppert sich das Geld für Übernachtungen schon, und somit auch unsere Ersparnisse, wenn wir nur alle 3-4 Tage mal auf einen fahren.

Unser Übernachtungsplatz auf der Free Campsite nördlich von Lorne im Wald des Otway National Parks

In den folgenden zwei Tagen fuhren wir über die Great Ocean Road nach Westen bis Warrnambool, und ich muss sagen, obwohl wir seitdem auch immer wieder an beeindruckenden Küstenabschnitten vorbei gekommen sind, dieser hatte es wirklich in sich. Es waren auch gar nicht mal soo viele Touristen unterwegs, wie einem das überall beschrieben wird, und so konnten wir die einzigartige Szenerie noch besser genießen: eine ganz kleine, kurvige Straße, die sich an den Felshängen entlang schlängelt; steil abfallende Klippen; im Meer aufragende, über Jahrtausende abgeschliffene Sandsteinformationen; unendlich lange Sandstrände und ein wildes Meer mit teils unglaublichem Wellengang. Die Fotos sagen alles! Der nächste der ‚free campsites‘ nahe des Otway Kapps erwies sich als Volltreffer: direkt am Meer campten wir unter Eukalyptusbäumen, in denen eine riesige Koalakolonie residierte. Über dem Auto hatten wir sogar unser eigenes Paar – schaut selbst:

Die beeindruckende Küstenlinie Die beeindruckende Unser szenischer Picknickspot am Ufer When you know you're in Australia... (ist Gott sei Dank alles gut gegangen, keine Sorge) so sieht es oft aus, wenn wir nach Einbruch der Dunkelheit irgendwo ankommen und noch kochen müssen Mensch, was sehen die flüschig aus! Ausblick auf den Gibson Beach kurz vor den berühmten 12 ApostelnToll!Der berühmteste und meist fotografierteste Teil der Great Ocean Road: Die 12 Apostel Blick in die andere Richtung vom Aussichtspunkt bei den ApostelnSchon außergewöhnlich schön!Die (leider vor einigen Jahren abgebrochene) Natural BridgeMit einem abendlichen Blick auf die Bay of Islands verabschieden wir uns von der Great Ocean Road. Wir werden uns sicher noch lange an diesen beeindruckenden Streifen Küste erinnern!

Über 8000km später - Teil 2

27April2014

Grampians 24.-26.03.14

Von Warrnambool fuhren wir am 24.03. los nach Norden, um uns die Bergregion der Grampians anzuschauen, bevor es über die Grenze von Victoria nach Südaustralien weitergehen sollte. Die Grampians waren kein allzu großer Umweg und, von Reiseführerbeschreibungen und Fotos inspiriert, erhofften wir uns dort eine tolle Landschaft, für die er sich allemal lohnen würde. Und wir wurden nicht enttäuscht: schon von weit weg konnten wir auf dem Hinweg – auf dem wir uns, räusper, nicht verfahren haben – die Bergketten erahnen und je näher wir den zentralen Grampians kamen, desto szenischer wurde die Landschaft. Bevor ich mich hier in Landschaftsbeschreibungen verliere, schaut euch lieber die Fotos an, die sagen sowieso immer mehr aus.

Wir blieben zwei Nächte auf einem von den Rangern instand gehaltenen, günstigen Stellplatz nahe Halls Gap, der Haupt(da einzigen)’stadt‘ der zentralen Grampians, mit unter 300 Einwohnern und eigentlich nur einer Reihe Häuser im Wild West Stil (aka aus Holz gebaut, mit großen Veranden und Schildern obendrüber) entlang der Hauptstraße. Informationen über die hiesige Aboriginekultur und –geschichte gab’s im schönen Brambuk Cultural Centre, außerdem schauten wir uns Felsmalereien an und unternahmen verschiedene Wanderungen zu Lookouts, darunter die 10km lange Wonderland Loop, von der die meisten Fotos stammen. Mit dem Wetter hatten wir Riesenglück, es war gerade genau richtig zum Wandern; wir sahen hier unsere ersten Emus und wieder eine Menge Kängurus und Papageien auf dem Stellplatz und waren so rundum zufrieden, als wir die Region in Richtung Südwesten verließen.

  Szenerie auf dem Weg in die Grampians Eine Kängurudelegation heißt uns an unserem Picknickplatz willkommen Ein wie ich finde tolles Foto vom Lake Bellfied ... wo wir unsere ersten Emus trafen... ...und unsere Essensreste von den hier überall herumfliegenden Papageien verputzt wurden. Ein Abschnitt der Wonderland Loop auf dem Weg zum The Pinnacle Lookout Wohlverdiente Rast mit Aussicht Der aus gutem Grunde 'Silent Street' genannte Pfad durch eine enge Schlucht Fantastische Ausblicke vom Pinnacles Lookout, für die sich die lange Wanderung mehr als gelohnt hat Auf dem Rückweg entlang der Bergflanke Ein neugieriges Wallaby inspiziert unseren Joey Der spektakuläre Boroka Lookout Auf dem Weg zum Balconies Aussichtspunkt Erinnerte uns teilweise stark an die Blue Mountains bei Sydney!

 

Coorong National Park und Adelaide 27.-31.03.14

Eigentlich hatten wir nach dem Verlassen der Grampians noch bis zur südlichen Küste in den Coorong National Park fahren und dort campen wollen, aber wie immer wurde es wieder später und stattdessen mussten wir uns mit einer free campsite am sogenannten ‚Cockatoo Lake‘ begnügen – statt Kakadus sahen wir aber des nächtens ein irres Wetterleuchten in der Ferne, das Tobi faszinierte und mir eher Angst einjagte – immerhin standen wir weitab von jeglicher Zivilisation ganz alleine in der Wildnis. Hätte ja auch der Weltuntergang sein können.

Am nächsten Tag ging es dann wohlbehalten endlich an die Küste, wo wir uns die Lagunenlandschaft des wunderschönen Coorong National Parks anschauten und uns dann auf den Weg nach Adelaide machten, wobei wir den River Murray – Australiens größten Fluss – überquerten: auf einer der vielen kostenlosen 24hr-Fähren, für die dieser Fluss berühmt ist und die die Brücken ersetzen.

An der schönen Küste des Coorong Nationalparks Eine kleine Pelikankolonie Beim schönen Örtchen Meningie Warten auf die Fähre über den River Murray

In Adelaide verbrachten wir zum ersten Mal mehrere Tage am Stück auf einem Campingplatz, in städtischen Regionen sucht man nämlich leider vergeblich nach kostenlosen Stellplätzen. Wir waren an einem Freitag angekommen und so erlebten wir ein sehr anderes Adelaide als das, was im Reiseführer als ‚schläfrig‘ beschrieben ist: es war wohl irgendeine Art Kneipentour (pub crawl) der vielen hiesigen Studenten angesagt, die ganze Innenstadt – die vom Camping aus fußläufig zu erreichen war – quoll förmlich über vor junger Leute in Mottoshirts, die lachend und quatschend von einer Bar zur nächsten zogen. Überall waren Straßenmusikanten und Straßenstände, nächtliche Märkte mit vegetarischen Essensbuden und Hippieklamotten, Lichterketten in den Bäumen und an den vielen alten Gebäuden. Der Hammer! Wir waren vollauf begeistert. Auch was wir an den nächsten Tagen von dieser schönen Stadt sahen gefiel uns ausnehmend gut und ich habe Adelaide schon zu meiner australischen Lieblingsstadt erklärt – Tobi fand Melbourne noch ein klitzekleines Bisschen besser. Ich finde Adelaide kleiner, persönlicher und authentischer als den Rest, irgendwie sympathischer.

Auf unserem Camping in Adelaide erhielten wir - mal wieder - Besuch von einem neugierigen Possum Frühstücksgelage nach Kurz-vor-Ladenschluss-Kaufrausch auf den Adelaidschen Märkten Die ganze Stadt ist voller schöner Gebäude und Grünflächen! Sehr schön! Die nette Fußgängerzone, in der das Nachtleben am Abend unserer Ankunft nur so brodelte

Und es wurde noch besser: Für den Sonntag hatten wir eine Weintour durch Australiens berühmteste Weinregion, das Barossa Valley, gebucht. Es wurde ein voller Erfolg, in einem Kleinbus mit einem supertollen Guide und einer sehr kleinen Gruppe – nur wir und noch fünf andere junge Menschen zwischen 20 und 30 – ging es zu unterschiedlichen Weinereien mit (laut Tobi) unglaublich guten Weinen. Man wurde praktisch zu insgesamt 4 winerys kutschiert, dort gab es dann ein tasting von bis zu 15 unterschiedlichen Weinen, und wer wollte konnte sich auch gleich welchen mitnehmen. Mittagessen gab es in einem Biergarten (wobei wir Sparfüchse uns unsere eigenen Falafels gemacht hatten) und außerdem ging es noch zu einem Farmshop, wo wir die leckersten Erzeugnisse (Pasteten, Käse, Soßen, Kompott etc) nach Lust und Laune probieren konnten. Ein genialer Tag!

Unsere tolle kleine Gruppe  Eine der exklusiveren von uns besuchten Weinereien.Wein über Wein über Wein über Wein. Wir sind uns einig: das war der Hammer!

Nur ein Wermutstropfen trübte unsere Stimmung, und zwar hatten wir am Montag einen Termin mit Joey in der Werkstatt zur Inspektion – wir wollten sichergehen, dass alles mit ihm in Ordnung war, schließlich hatten wir dies beim Kauf ja nicht direkt gemacht. Im Nachhinein wurde uns klar, dass wir eindeutig an die falsche Werkstatt geraten waren, der Chef dort war nämlich nicht gerade nett oder zuvorkommend und ich musste erst mal mit Nut Rücksprache halten, um mir die ganzen gefundenen Probleme am Auto erklären zu lassen. Neben den uns bekannten abgefahrenen Reifen und Unwichtigkeiten wie verunreinigter Kühlflüssigkeit war das Hauptproblem eine undichte Achsdichtung, aus der wohl Öl liefe und auf die Bremse tropfe. Da das Ganze teuer in der Reparatur ist, entschlossen wir uns, es zu beobachten und erst sobald wirklich Öltropfen zu sehen seien reparieren zu lassen – was bisher noch nicht der Fall ist. Es stellte sich im Nachhinein raus, dass diese Werkstatt auch einige Sachen übersehen hatte und wir haben inzwischen einen Beschwerdebrief aufgesetzt, mit der Forderung einer Kostenerstattung aufgrund von schlechter Arbeit („a complete waste of time and money.. blabla“). Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Trotz all der schlechten Nachrichten machten wir uns noch am selben Tag auf gen Norden, versuchten uns darauf zu konzentrieren dass man gesagt hatte das Auto sei generell in einem guten Zustand, und wie gut uns doch Adelaide und die Weintour gefallen hatten.

 

Flinders Ranges 01.-03.04.14

Nach einer langen Tagesfahrt durch immer trockener und einsamer werdende Landschaft (was sich zu unserem Ärger vor allem auch in den Spritpreisen niederschlug) kamen wir am Nachmittag in die südlichen Ausläufer der Flinders Ranges, einer weiteren im Reiseführer sehr verlockend klingenden Bergregion, diesmal jedoch im Zentrum von Südaustralien. Auch hier kamen wir voll auf unsere Kosten, nach einer Übernachtung im komfortablen Wilpena Pound Resort [Camping] erkletterten wir einen der zentralen höheren Gipfel und genossen spektakuläre Ausblicke auf die mit grün gesprenkelten gelben Hügel und die roten Bergketten. Sehr schön. Auch die Weiterfahrt zu unserem nächtlichen Rastplatz außerhalb des National Parks selbst war landschaftlich toll.

  Schon von weit weg sind die hohen Bergketten der Flinders Ranges nicht zu verfehlen. Der Abend unserer Ankunft Auf dem Weg hoch auf den Mount Ohlssen Fast geschafft! Letztes Stückchen entlang des Bergkamms zum Aussichtspunkt Von diesen kleinen Freundchen wimmelt es hier nur so Mal wieder ein fantastischer Ausblick! Blick auf den Wilpena Pound, ein elliptisches Tal umringt von hohen Bergketten Joey vor der tollen Szenerie am Stokes Hill Lookout Weiterfahrt über unbefestigte Straßen zu unserem nächtlichen Rastplatz

Am nächsten Morgen erwartete uns ein Schock: nachdem es die letzten zwei Tage unerträglich heiß und trocken gewesen war, wie für diese Region und Jahreszeit ja auch typisch, wachten wir zu dem Trommeln von Regentropfen auf unserem Autodach auf. Regen! Ach du Scheiße! Wir hatten wild in einer Schlucht auf einem unbefestigten Stellplatz an einer unbefestigten Straße gecampt, und machten hier die Erfahrung, dass in Wasser gelöster red dust, der hier ja überall den Boden bedeckt, eine wirklich unschöne Schlammkonsistenz entwickelt, die man von nichts mehr abbekommt. Shit. Und es wurde noch besser: Von hier aus wollten wir über den viel gerühmten Oodnadatta Track, eine der heftigeren 4WD-Strecken Australiens, durch’s südaustralische Outback nach Coober Pedy fahren (sonst gibt es keine Anbindung der Flinders Ranges nach Westen oder Norden und wir hätten zurück an die Küste und über den Highway nach Norden fahren müssen). Schon am selben Morgen hatten wir uns Sorgen gemacht, dass die Straßen ob des Regens und der so verschlechterten Bedingungen vielleicht gesperrt werden würden, aber in Leigh Creek, unserer ersten Anlaufstelle (und gleichzeitig der letzten vor Outbackkaff Marree, Startpunkt des Oodnadatta Tracks und selbst nur über Piste zu erreichen) beruhigte man uns: die Straßen seien wohl schwierig zu fahren, aber alle noch geöffnet. Wir sollten ruhig mal nach Marree fahren.

Gesagt, getan – und schon auf dem Hinweg kriegten wir die Krise, sobald der Asphalt nämlich aufhörte verwandelte sich die Straße in ein einziges Schlamm- und Matschfeld, ohne definierte Konturen und vom Wasser völlig aufgeweicht. Wir schlitterten und rutschten die 70km bis Marree, für die wir bestimmt mehrere Stunden brauchten, uns glitten des Öfteren die Hinterräder weg und wir fanden uns ab und an mal schwer schnaufend im Abseits der nicht vorhandenen Straße wieder. Es war der absolute Horror und in Marree angelangt waren wir uns eigentlich schon selbst sicher, dass der Oodnadatta Track zumindest heute nichts mehr werden würde. Im Polizeigebäude – einer kleinen Holzhütte – wurden unsere Befürchtungen bestätigt: die Straßen seien geschlossen und man denke auch darüber nach, die Strecke zurück von Marree nach Süden zu schließen. Sei einfach nicht mehr befahrbar und lebensgefährlich. Für ein paar Tage würde der Oodnadatta Track sicher nicht geöffnet sein. Fluchend machten wir also, dass wir wegkamen, schließlich wollten wir nicht im unter-100-Seelen-Loch Marree versacken. Das „Road closed“-Schild geflissentlich ignorierend, nahmen wir also nochmal diese Höllenstrecke auf uns, und wäre die Info nicht schon geschlossen gewesen, hätten wir uns in Leigh Creek sicher gehörig über die lebensgefährdenden Ratschläge vom Vormittag beschwert. So mussten wir über 700km Umweg fahren: zurück an die Küste nach Port Augusta und von dort dann wie oben beschrieben über den Highway nach Norden. Kacke. Um neben dem vielen Spritgeld nicht auch noch unnötig viel Zeit zu verlieren, fuhren wir, immer auf auf die Straße hüpfende Kängurus bedacht, noch bis tief in die Nacht hinein und gelangten sogar zu einem Stellplatz hinter Port Augusta.

schon am Morgen macht uns der red-dust-Schlamm Probleme Und wie. Tanken in Marree... ...dem desolatesten Ort, den wir je gesehen haben. The end of the road. Erneutes Tanken in Port Augusta: ohne Worte.

Über 8000km später - Teil 3

27April2014

Das südaustralische Outback: Coober Pedy 04./05.04.14

Am nächsten Tag fuhren wir dann gen Norden, an Salzseen vorbei und durch steppenähnliche Landschaft, bis wir Australiens Opalhauptstadt Coober Pedy erreichten – die sich schon lange im Voraus durch sich neben der Straße auftürmende Schutthügel mit Erdmaterial aus den Hunderten von Minen ankündigte. Coober Pedy ist eine sehr surreale Wüstenstadt, inmitten der Minenhügel und ansonsten nur von Wüste umgeben, finden sich hauptsächlich Opalshops, -museen und –juweliere: alles dreht sich um die wertvollen Edelsteine. Aufgrund der extremen Temperaturen wohnen die Menschen unterirdisch – meist unter eigens dafür aufgetürmten Erdhaufen – und auch die meisten Geschäfte, Museen, Hotels etc. befinden sich unter der Oberfläche. Total verrückt. Vielleicht lag es daran, dass zur Zeit unseres Besuchs nicht Hauptsaison war, aber auf uns wirkte alles auch irgendwie ein wenig verlassen und sehr einsam. Wir waren die einzigen Gäste auf ‚Riba’s Campground‘, wo man uns einen guten Preis für vergleichsweise spitzenmäßige Annehmlichkeiten wie einen überdachten Stellplatz mit Strom, eine Camper’s Kitchen, Internetzugang und sehr gepflegte  Toilettenblocks machte.

Wir deckten uns mit aufgrund von abgelaufenen Haltbarkeitsdaten stark reduzierten Lebensmitteln aus dem Supermarkt ein (was übrigens generell die Hauptquelle irgendwelchen frischen Essens ist, das wir so bekommen – ansonsten transportieren wir einen Riesenvorrat an Konserven, Reis, Nudeln etc mit uns herum, von dem wir wochenlang autark leben könnten) und fuhren zur Hauptattraktion der Stadt, einem besonders großen Sandhügel auf dem ein Lookout eingerichtet, d.h. ein kleiner Zaun an den Rand gebaut und ‚Lookout‘ draufgeschrieben wurde.

Am nächsten Tag besichtigten wir ‚Tom’s working opal mine‘, auf deren Grund und Boden wir danach auch selbst die Möglichkeit hatten, nach Opalen im Schutthaufen der Mine – der sich oft als sehr erträglich erweist – zu ‚noodlen‘. Wir verbrachten Stunden auf diesem Geröllhaufen und förderten tatsächlich den ein oder anderen sehenswerten Edelstein zutage – siehe Fotos. Seitdem schnappt sich Tobi jetzt wann immer er Zeit hat – und das ist nicht gerade oft – die Opaltüte und schrubbt und poliert daran herum, was das Zeug hält. Er hat, glaub ich, schon große Pläne. ^^ Naja, wir waren auf jeden Fall sehr zufrieden mit uns.

Fahrt nach Coober Pedy: Die Landschaft wird immer trockener und steppenähnlicher Einer der vielen Salzseen entlang der Strecke gen Norden  Je näher man der Opalstadt kommt, desto öfter türmen sich Hügel von Minenschutt in der Landschaft auf Sagt alles! Unser schöner schattierter Platz auf dem ansonsten verlassenen Riba's Campground Total surreal: Die Aufenthaltshöhle bei Riba's Joey wird bei einer Ansammlung von seltsamer Wüstenkunstartefakten geparkt... ...während wir uns einen Überblick der Stadt von oben verschaffen. Besuch einer Opalmine! Im Opalmuseum Unsere Expedition untertage Noodlen nach Opalen auf dem Minenschutt von Tom's Working Opal Mine ...mit Erfolg! Hier noch in Sandstein eingefasst, sehen sie inzwischen dank Tobis Polieranstrengungen viel besser aus ^^ Das Prachtstück!

 

Red Centre 06.-13.04.14

Von Coober Pedy fuhren wir, nach Übernachtung auf einem Parkplatz an der Straße nördlich der Stadt, über die Staatsgrenze ins Northern Territory und in Richtung Alice Springs. Nach einer weiteren Übernachtung im recht unbekannten, aber wunderschönen ‚Rainbow Valley‘, wohin uns ein 10km langer 4WD-Track führte, kamen wir in der Wüstenoase an – und man stelle sich vor: es regnete! Unglaublich, nach Höchsttemperaturen im vermeintlich ‚kalten‘ Süden präsentiert sich uns das trockene, dürre, heiße Outback mit Dauerregen.

Wir flüchten ins Visitor Centre, wo ich die Zeit damit verbringe, verschiedene Werkstätten durchzutelefonieren und mich nach Preisen für Reifen und eventuell vorhandene Second-Hand-Reifen zu erkundigen – vor unserer großen Expedition in die rote Mitte und danach über den 1100km langen Outback Way – Piste, juchey! – gen Westen wollen und sollten wir Joey nämlich seinen dringend nötigen neuen Reifensatz spendieren. Da uns neue Reifen jedoch eigentlich zu teuer sind (man nennt mir Preise um die 250$/Stück!), versuche ich, irgendwo Second-Handies aufzutreiben, und werde schließlich bei einer Werkstatt auch fündig. Beim Termin am nächsten Morgen werden uns so zwei neue und ein gebrauchter Reifen montiert – einer von unseren eigenen soll wohl noch ganz brauchbar sein. Wir lassen auch noch die Radlager nachstellen, wofür man uns einen sehr guten Preis macht, versuchen nicht auf die Rechnung zu schauen und sind froh, dass Joey jetzt zumindest outbacktüchtig ist. Mit der vermeintlich undichten Achsdichtung hatten wir seit Adelaide keine Probleme und warten daher noch mit der Reparatur.

Als nächstes stand ein Haufen Papierkram auf dem Programm, mussten wir doch sowohl für die Fahrt über die West Macdonnell Ranges westlich von Alice zum Kings Canyon und Ayers Rock, als auch die Weiterfahrt zur westaustralischen Grenze, als auch die Durchquerung von Aborigineland danach drei verschiedene Genehmigungen einholen. Von drei verschiedenen Ämtern. Die spinnen, die Aussies! Wir gurkten also von einem zum nächsten (und ja, es regnete immer noch), und während man uns bei den ersten sagte, die Straßen seien alle noch offen, und es gäbe gar keine Probleme, schüttelte die Dame beim letzten Council nur den Kopf und meinte, der Outback Way würde frühestens am Wochenende wieder geöffnet (es war Dienstag) und soweit sie wüsste, wären auch die Macdonnell Ranges und eigentlich alles im Umkreis von Hunderten von Kilometern gesperrt – selbst die normalen geteerten Straßen. Der Regen sei einfach viel zu stark gewesen, sowas habe man hier normal nicht. Ein weiterer Besuch im Visitor Centre bestätigte das nur. Für die Macdonnell Ranges, unser nächstes Ziel und Startpunkt für die ‚Mereenie Loop‘, die uns über ebenjene Bergketten zum berühmten Kings Canyon und schließlich dem australischen Symbol Ayers Rock bringen würde, müssten wir mindestens noch zwei Tage warten.

Niedergeschlagen fuhren wir also wieder zurück zum Campingplatz, wo unsere Laune sofort durch auf der Wiese vor unserem Platz vorhandene Parasolpilze gebessert wurde, die wir uns unter den entsetzten Blicken anderer Camper kurzerhand in die Pfanne hauten und zu Gnocchi in Pilz-Sahnesauce verarbeiteten. Mjam.

Unsere Beute! x) Einziges Foto, das wir von Alice Springs haben. Says it all.

Am nächsten Tag und obwohl die Straßen in die Macdonnell Ranges selbst noch gesperrt waren, hatten wir keine Muße mehr herumzuwarten und fuhren einfach schon mal bis kurz vor die Abzweigung „unserer“ Straße, wobei wir bereits in die östlichen Ausläufer der West Macs vordrangen und das schöne, seltenerweise Wasser führende Simpsons Gap erwanderten, bevor wir am ‚Standley Chasm‘, einer viel fotografierten engen Schlucht, billig auf dem Parkplatz campen durften. Für den Chasm selbst wird Eintritt verlangt, da dieser nicht wie alle anderen dem Nationalpark sondern den Aborigines gehört, was uns mit $10 zu teuer war. :D Typisch.

Aufbruch in die West Macdonnell Ranges .. wir wissen, warum die Straßen noch gesperrt sind: Ständig fährt man durch kleine Bachläufe und Seen auf dem Weg Der Weg ins Simpsons Gap Trotz (oder gerade wegen?) des Regens sehr schön! Campen mit Aussicht am Standley Chasm

Am nächsten Tag und obwohl man uns sagte, die Straßen seien noch gesperrt, fuhren wir einfach mal die 10km bis zur Abzweigung auf den Namatjira Drive, der uns durch die nördlichen West Macs und damit an einer Reihe von sehenswerten Schluchten und Canyons vorbei führen sollte, und siehe da: wir trafen einige Ranger, die dort gerade Pause machten, und erfuhren, dass sie es zwar nicht gesperrt hätten und wir durchaus legal durchfahren dürften, es jedoch eine Stelle gäbe, an der das Wasser 50cm hoch über die Straße fließen würde. Mit einem Lachen meinte man, wir könnten es ja versuchen, aber würden wohl nasse Füße bekommen.

Wir wollten trotzdem mal gucken fahren und eventuell an dieser Stelle, ca. 5km nach der Abzweigung, warten, bis das Wasser wieder etwas sinken würde (ein halber Meter fließendes Wasser auf der Straße sieht schon echt übel aus – siehe Fotos). Dort angekommen trafen wir sowohl 3 Autos, die auf unserer Seite der Überschwemmung standen und wie wir versuchten, das Ganze abzuschätzen, als auch 4 andere, die leider auf der anderen Seite gestrandet waren und seit Tagen nicht mehr hinüber in die Zivilisation kamen. Ziemlich skurrile Situation. Nachdem wir das Ganze mehrfach durchwatet und eine Krisensitzung gehalten hatten, beschlossen wir, es zu wagen. Das Wasser floss nicht allzu schnell und auch Tobi meinte, dass es uns zwar vielleicht zu den Türen reinlaufen würde, wir aber wohl durchkommen könnten. Unter den bangen Blicken aller Zuschauer – unter anderem australischen 4WD-Fahrern auf unserer Seite, die sich nicht trauten – fuhr Tobi also beherzt mittenrein ins kühle Nass und brachte unter dem Applaus der anderen Joey sicher auf die andere Seite (ich war für die Fotos zuständig :D). Wir waren die Helden der Stunde und hatten für den Rest des Tages ordentlich Adrenalin im Blut – schaut euch die Fotos an, Wahnsinn!

Die überflutete Stelle Ganz - schön - hoch! Joey beweist sich! Nun angemessen getauft.

Wir schauten uns eine Reihe von Schluchten an – darunter das Ellery Creek Big Hole, recht zu Anfang, in dem Tobi einsam schwimmen gehen konnte –, bevor wir am berühmtesten der West Mac Gorges, dem Ormiston, Quartier bezogen. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt in die Schlucht sahen wir unseren ersten Dingo! Leider war er aber schon weggerannt, bevor ich auch nur an die Kamera denken konnte. Obwohl der Ormiston schon sehr beeindruckend war, fanden wir beide den zuvor erkletterten Lookout auf den Serpentine Gorge noch spektakulärer - guckt euch die Fotos an und entscheidet selbst! ^^

Bergpanorama in den West Macs Schwimmen im Ellery Creek Bighole Wanderung zum Lookout auf den Serpentine Gorge Der Wahnsinn! Blick über die 'Ridge' ins Land Die 'Ochre Pits', eine wichtige Quelle von Ockerfarbe für die Aborigines Abendlicher Blick in den Ormiston Gorge .. und zurück in Richtung des Buschcamps.

Am nächsten Morgen begegnete ich auf dem Weg zum rudimentären Toilettenblock einer Gruppe von 'Spinifex Tauben', von denen wir auf Infoschildern am Tag zuvor schon gelesen hatten, die aber als äußerst rar und scheu beschrieben wurden, sodass ich nicht gehofft hatte, diese coolen Vögel wirklich zu sehen. Schaut sie euch an! :D 

Auf der Weiterfahrt gab es erstmal wieder ein paar Schluchten, wobei hier der über eine 4WD-Strecke erreichbare Redbank Gorge als letzter und für uns bester der Canyons in den Ranges hervorzuheben ist. Wie auch die meisten anderen hatten wir ihn ganz für uns alleine, und wanderten ca. 1km durch kleine Bachläufe, Flussbetten und über Felsbrocken zum Beginn der Schlucht selbst, die für Tobi ein unwiderstehliches Kletter-, Schwimm- und Tauchabenteuer darstellte. Im Reiseführer als ‚vielfarbig‘ und ‚kathedralenartig‘ beschrieben, war der zerklüftete Gorge seinen Aussagen nach von innen unfassbar beeindruckend – er kam mit leuchtenden Augen wieder raus und hätte wohl ein Königreich für eine Actionkamera gegeben. Da haste’s, Marius.

Am Glen Helen Gorge, der aufgrund von Überflutung leider nicht erwanderbar war Toller Blick auf Mt Sonder im Westen der West Macs Wir waren uns einig, dass wir uns so Teile der Savanne in Afrika vorstellen - hier könnte doch jetzt gut eine Herde Giraffen durchlaufen ^^ Auf dem Weg zum Redbank Gorge Da kommt er zurück! Ausblick auf die Außenwände des 'Gosse Bluffs', Zeugnis eines Meteoriteneinschlags vor Urzeiten. Irre!

Weiter ging es über die zuvor schon erwähnte Mereenie Loop, eine über 150km lange unbefestigte Schotter- und Staubstraße, die mit den West Macdonnell Ranges, dem Kings Canyon und dann über befestigte Straßen dem Ayers Rock die berühmtesten Sehenswürdigkeiten der roten Mitte Australiens miteinander verbindet und trotzdem eher unbekannt und weniger befahren ist (ist eben eine unbefestigte Piste und nur was für Abenteurer!), sodass sie für uns eine noch attraktivere Alternative zum Touri-Drive Stuart Highway darstellte.

Die Mereenie Loop Road

Unsere extra eingeholte Genehmigung stolz auf dem Armaturenbrett präsentierend (hat natürlich niemanden interessiert), rappelten wir über die Staub’corrugations‘ (eine Art Straßenzustand wie ein Wellblech: von unterschiedlichen Faktoren wird der Sand und Staub zu Wellen geformt, über die man wie über ein Wellblech drüber rattert) bis zum Watarrka National Park, in dem der berühmte Kings Canyon liegt. Eigentlich schon viel zu spät für die 4-stündige Wanderung, die wir uns noch vorgenommen hatten, pesten wir einmal entlang des 7km langen Rundumweges – und waren überrascht, als wir nach knapp 2 Stunden und pünktlich zum Sonnenuntergang wieder am Parkplatz standen.

Hier bemerkten wir übrigens auch, dass uns der Sand der Mereenie Loop einen der zusätzlich montierten Scheinwerfer gekostet hatte – traurig, aber shit happens und bisher sind wir mit unserer Unfall- und Missgeschickquote autotechnisch ja noch sehr gut dabei. Muss wohl ein neues Set her, sobald wir in Perth sind.

Der Kings Canyon war gerade im Abendlicht atemberaubend: eine sehr breite Kluft, durch die vom Wasserfall am einen Ende aus ein kleiner Fluss fließt, der eine dortige grüne Vegetation ermöglicht, die im wunderschönen Kontrast zu dem tieforangenen Gestein der Felswände steht. Umgeben von weiteren beeindruckenden Felsformationen wie dem Garden of Eden, einer kleinen Tasche von Vegetation und einem ruhigen natürlichen Pool, oder dem Labyrinth an Bienenstock-förmigen Kuppelfelsen, das treffenderweise ‚Lost City‘ genannt wird, ist er ein absolutes Muss für jeden Besuch im Zentrum und ich persönlich zähle den Kings Canyon zu meinen absoluten Top-Highlights von Australien generell bisher. Siehe Fotos.

Anfahrt zum Watarrka National Park Spektakuläre Aussicht auf den Ausgang des Canyons Der Garden of Eden Ausläufer der 'Lost City' Blick in die Schlucht Die 'Lost City' in der Abendsonne: irgendwie surreal! Die rot glühenden Ausläufer des Canyons. Auch nachdem wir nun den Sonneuntergang am Ayers Rock gesehen haben: das hier war schon toll!

Über 8000km später - Teil 4

27April2014

Nach einem letzten Blick auf die im Sonnenuntergang glühenden Felswände des Canyons fuhren wir noch bis zum nächsten Parkplatz, der sich an der Straße ergab, und schlugen unser Lager für die Nacht auf. Nachdem wir hier am nächsten Morgen mal wieder wild wachsende Pilze gesammelt hatten, die ich für champignonartig und somit essbar befand (wir ernteten wieder viele irritierte Blicke), ging es dann los zu einem der absoluten Top-Icons Australiens: auf zum Ayers Rock! Nach einem peinlichen Zwischenereignis, bei dem ich den 50km vorher liegenden Mount  Conner fälschlicherweise für den Rock hielt und ein Riesentrara um Fotos machte, bevor mich der Reiseführer eines Besseren belehrte („the outback’s most photographed red herring…many mistake it for Uluru…“), waren wir dann doch ziemlich von den Socken, als der echte Fels am Horizont auftauchte und einfach genau so aussah, wie man ihn von all den Postkarten – Shout out to Opa Günther! – kennt. Unglaublich! Obwohl wir uns das rote Zentrum irgendwie wüstenartiger vorgestellt hatten – vielleicht hat es teils am vielen Regen gelegen, aber die rote Erde war überall bewachsen von Gräsern, Gestrüpp, Büschen bis hin zu kleinen Bäumen und Eukalyptus – gefiel uns durch das viele Grün entstehende Kontrast zum Rotbraun des Rocks ausnehmend gut. Toll.

Erstes (und zugegeben nicht besonders gutes) Foto vom Rock

Wir sicherten uns zuerst mal einen Platz auf dem gar nicht mal soo sehr überteuerten einzigen Campingplatz in Hunderten von Kilometern, der im reinen Touristenörtchen Yulara keine 10km vom Fels liegt – ganz skurrile Sache, sämtliche Unterkünfte und ich glaube auch Geschäfte dort gehören einem einzigen Konzern, dem Ayers Rock Resort, und es ist ein bisschen wie in einer künstlichen Spielstadt – mitten in der Wüste, überall das gleiche Layout, alles sieht ziemlich gleich aus, und alles hängt irgendwie zusammen. Ganz witzig.

Wir fuhren natürlich sofort zum Uluru hin – ähm, nachdem wir uns an reduzierten Fertigsalaten aus dem Supermarkt gelabt hatten –, besuchten das sehr schön gemachte Cultural Centre mit einer Gallerie über die Lebensweisen der lokalen Aboriginestämme, machten eine kurze Wanderung zu einem kleinen Wasserloch direkt am Fels, das große spirituelle Bedeutung hat, und fuhren einmal um den Rock herum, bevor wir uns in der sunset viewing area einfanden, um einen spektakulären Sonnenuntergang mit verschiedensten Rottönen auf den Wänden des Ulurus zu genießen. Fantastisch. Guter Dinge ging es zurück zum Camp und wir gingen zeitig schlafen, morgen sollte es nämlich schon zum Sonnenaufgang zum Felsen gehen – um 6.58Uhr, das heißt 6 Uhr losfahren, und 5 Uhr aufstehen. Puh.

Wir kamen natürlich erst um 6.30Uhr los (immerhin!), schafften es aber trotzdem gerade rechtzeitig für die spektakulärsten Farben zum Aussichtspunkt, von dem wir sowohl den Uluru aus ungewohnter Perspektive als auch am Horizont die Felsgruppe der Olgas bestaunen konnten. Wir fanden den Sonnenaufgang – vielleicht vor allem wegen dieser Aussicht – noch besser als den –untergang am Tag zuvor und fuhren guter Dinge zu einem Parkplatz nahe am Rock, von wo aus um 8Uhr eine kostenlose Rangertour losgehen sollte. Während wir zu Anfang ob der recht großen Gruppe skeptisch waren, machte der supergut gelaunte und sehr erfahrene Ranger, der selbst teils Aborigine war, seine Sache über 2,5 Stunden so gut, dass am Ende alle begeistert waren und mit dem Gefühl, nun ein viel besseres Verständnis der natürlichen Begebenheiten, der Geschichte und natürlich der spirituellen Bedeutung des Ayers Rock erworben zu haben, den Fels wieder verließen.

Das schöne Wasserloch direkt am Fels, das wir noch am ersten Abend erwandert hatten Sonnenuntergang am Uluru: eine einzigartige Erfahrung! Wir haben ca. 50 Bilder von 10min, und so gerne ich alle Rottöne hochladen würde, müsst ihr euch leider mit den wenigen zufrieden geben. Fotospeicher ist ja leider begrenzt :( Und das gleiche nochmal andersrum: Sonnenaufgang mit ungewohnter Perspektive und den Olgas am Horizont Unser engagierter Tourguide :) Vegetation am Rock Total interessante Felsformationen! Die faszinierende Oberfläche des Felsen - hatten wir uns nicht so vorgestellt!

Für uns ging es kurz zurück nach Yulara, wo wir nämlich noch tanken und letzte Einkäufe für den großen Trip tätigen mussten, bevor es Richtung Westen gehen sollte. Man muss nämlich wissen, dass die 1100 km lange Strecke unbefestigter ‚dirt road‘, die wir uns nun vorgenommen hatten, durch die einsamsten Regionen des Landes führt – über mehr als tausend Kilometer gibt es nur drei Roadhouses (Tankstellen) und keine andere Form der Zivilisation, alles ist Aborigineland und wenn man liegen bleibt, was ja auf einer so langen Staubpiste nicht unwahrscheinlich ist, dann kann es durchaus mal was dauern, bis einen jemand findet: insgesamt sahen wir auf dieser ewig langen Strecke nur um die 10 uns entgegenkommende Autos. Irre. Neben einem 20l-Kanister Benzin hatten wir auch 65l Wasser aufgeteilt auf zwei Behälter, Werkzeug und natürlich jede Menge Essen in Form von Konserven etc dabei, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Joey fuhr sich schon wie ein Kleinlaster :D

Wir hatten lange im Voraus – räusper, in Adelaide – überlegt, ob die nun eingeschlagene Route Sinn für uns macht, man hätte nämlich auch im Süden entlang der Nullarbor-Ebene von Adelaide nach Perth fahren und, wie die meisten anderen, den Trip ins Zentrum über den Highway von Norden aus später machen können. Aber erstens fahren wir so keine Strecke doppelt (wie es vom nördlichen Darwin aus der Fall gewesen wäre), müssen uns nicht entlang der superlangweiligen da immer nur geradeaus führenden und wenig interessanten Nullarbor quälen, und kriegen außerdem eine gute Dosis Outbackabenteuer! Und dafür sind wir ja schließlich auch hier, obwohl unsere sehr besorgten Eltern das zu dieser Zeit vielleicht etwas anders gesehen haben mögen. ^^

Mit gedrückten Däumchen ging es also los, am Uluru vorbei zu den Olgas nach Westen – am gestrigen Tag und heutigen frühen Morgen hatte das Straßenzustands-Schild für den Outback Way (oder Great Central Road, oder Great Western Highway, man hört überall verschiedene Namen.. wir entschieden uns für Outback Way, das steht nämlich auch an der Straße dran.) noch den unheilverkündenden „Road closed“-Zusatz, doch siehe da: endlich einmal hatten wir etwas Glück und gerade rechtzeitig für unseren Aufbruch war sie wieder geöffnet worden. Yeah!

Wir fuhren erst noch zu den westlich vom Ayers Rock gelegenen Olgas, einer Gruppe von 36 riesigen Felskuppeln, die zwar weniger berühmt sind als die vermeintliche Hauptattraktion, von vielen Besuchern aber als mindestens genau so beeindruckend empfunden werden. Mit 546m ist die höchste Kuppel – passenderweise Mount Olga – auch gut 200m höher als der Rock. Mal wieder hatten wir weitaus weniger als die empfohlenen vier Stunden Zeit, um den 7.5km langen, teils steilen ‚Valley of the winds walk‘ in Angriff zu nehmen, schafften es jedoch mit ein wenig Joggen wieder genau pünktlich zum Sonnenuntergang zurück zum Auto und eilten zur viewing area, wo sich uns wie am Uluru auch hier ein malerisches Farbschauspiel bot. Wie wir es uns erhofft hatten, war hier viel weniger los als an den zuvor besuchten Aussichtspunkten, und wir verließen die rote Mitte fast schon andächtig ob der dargebotenen Naturwunder. Gerade Tobi war ja etwas skeptisch gewesen, ob einfach nur ein Fels in der Wüste all den Touristentrubel verdient und ob er wirklich so beeindruckend ist (er war ziemlich überzeugt, dass nicht), musste im Nachhinein aber auch zugeben, dass der Ayers Rock und auch die Olgas ob ihrer Farbe, ungewöhnlicher Felsformationen (überall gibt es Schluchten, Muster, kleine Löcher, Höhlen und und und die man von Fotos nicht kennt und erwartet) und schieren Größe wirklich ein ganz eigenes Kapitel in jedem Reiseführer verdient haben und nicht umsonst fast schon zum Pilgerziel jedes Australienreisenden geworden sind. Fantastisch!

Anfahrt zu den Olgas Valley of the Winds Walk Der magische Sonnenuntergang, der die Olgas im tiefsten Rot leuchten ließ. Toll.

 

Outback Way 14./15.04.14

Das einzig Unangenehme an der Tatsache, dass wir noch den Sonnenuntergang an den Olgas genossen hatten, war, dass wir so erst im Halb- und später im komplett Dunkeln den ersten Teil des Outback Ways in Angriff nehmen mussten – und der hatte es in sich. Nachdem wir die asphaltierte Straße zurück zum Ayers Rock Resort unter vermutlich sehr konsternierten Blicken der hinterherfahrenden Autofahrern verlassen hatten, hörte der Asphalt auch sehr schnell auf und nach einer Reihe von Warnschildern gab es keine Anzeichen von menschlicher Aktivität mehr – was wir im Dunkeln noch von der Straße und Umgebung sahen, war ohne Zweifel wildes Outback, die Straße voller Corrugations und sehr unangenehm zu fahren. Die Corrugations wurden wenig später jedoch unser geringstes Problem, dachten wir bei der ersten überfluteten Stelle (zwar recht flach, aber dafür matschig und über 200m lang) noch, sie wäre ein Einzelfall, mehrten sich bei der Weiterfahrt die Anzahl an Seen und Flüssen auf und über der Straße – die im Dunkeln nicht leicht zu sehen waren und in die wir oft unvorbereitet mit Normaltempo reinbretterten – und ich war so schon eine Weile am Fluchen, als wir endlich den kostenlosen Buschcamping kurz vor der westaustralischen Grenze erreichten, auf dem wir über Nacht bleiben wollten. Vollkommen erledigt von diesem Mammuttag kochten wir uns im Halbschlaf noch ein schnelles Curry (unser Hauptnahrungsmittel, gibt es ca. 5x die Woche) und fielen ins Bett.

Die Armee von Warnschildern zu Beginn des Outback Ways Aufbruch von den Olgas (im Hintergrund) - hier sieht man auch Joeys verlorenen Scheinwerfer :(

Die nächsten zwei Tage auf dem Outback Way wurden weitaus entspannter, wie uns schon von einer Rangerin am Ayers Rock prophezeit worden war, wurde die Straße auf der westaustralischen Seite schlagartig besser, es gab nur noch vereinzelt Corrugations und überhaupt keine Wasserläufe mehr. Sehr schön! Bei 500km Tagesfahrt auf unbefestigter Straße und ständiger Wachsamkeit ob der an der Straße stehenden Kamelherden (!!) und auch Kängurus war das Fahren zwar noch anstrengend, aber wir konnten schon noch die sich verändernde Landschaft – Berge, hohe Eukalyptusbäume auf rotem Grund, Wüste, Steppe… – angemessen genießen.

 Skurril und etwas beängstigend waren die ständig am Straßenrand oder weiter draußen im Busch liegenden Autowracks in unterschiedlichen Stadien des Verfalls – von fast komplett unkenntlichen, mal schön gewesenen Oldtimern über LKW bis hin zu moderneren Kombis, die noch nicht lange dort liegen konnten, war alles dabei. Wir machten ein Spiel daraus, wer den nächsten zuerst sieht, und kamen beim Zählen auf über 100 solcher Wracks entlang des Outback Ways. Wir gaben uns alle Mühe, uns nicht zu ihnen zu gesellen, tankten an jedem der Roadhouses, an denen auch immer eine kleine Aboriginecommunity lebt, und kamen wohlbehalten in Laverton in Westaustralien an.

 

Stolz wie Oskar, diese Australiens längste Outbackpiste überstanden zu haben, fuhren wir noch bis kurz vor Leonora, dem Hauptservicezentrum für die Minenindustrie und Farmer so weit im Outback, schlugen dort unser Lager an einem wunderschönen flachen See auf und eilten erst mal zwei im Uferschlamm stecken gebliebenen Australiern zu Hilfe, deren Geländewagen Joey an einem Abschleppseil wieder herauszog. Als Dankeschön erhielten wir ihr Lieblingsbier – eine „deutsche Spezialität“ namens Paulinusbräu. Herrlich!:D So konnten wir auch gleich angemessen auf unseren Erfolg anstoßen und waren zufrieden mit uns und der Welt.

Unser erster Übernachtungsplatz kurz vor der westaustralischen Grenze Die nächsten paar Bilder möchte ich mit 'Impressions of the Outback Way' betiteln: Ein einsamer Aborigine am Straßenrand Ein denkwürdiger Moment: uns kommt jemand entgegen! Unser erstes Aussie-Kamel o/ Übernacht im Outback Das einsamste Roadhouse von Australien: Tjukayirla Eines der über 100 Autowracks an und um die Straße Angekommen am Malcolm Dam!

 

Kalgoorlie und Wave Rock 16./17.04.14

Nachdem wir am nächsten Morgen (räusper, sehr erfolgreich, ähm, nicht) Tobis neu gekaufte Angel im See eingeweiht hatten, ging es los in Richtung Süden. Bald würden wir endlich wieder an der Küste sein! Davon, und vom äußerst angenehmen Fahrgefühl, das Asphalt doch nach 1100km Staub und Sand bietet, motiviert, flogen die lächerlichen knapp über 200km bis zu Westaustraliens Outbackhauptstadt Kalgoorlie-Boulder nur so dahin. Wir schwelgten in den Annehmlichkeiten der Zivilisation (selbst wenn es kein Vergleich zu einer Großstadt wie Adelaide oder Melbourne war), in dem wir erst mal dem hiesigen Schwimmbad einen Besuch abstatteten und bis spät abends unsere Bahnen zogen, bzw. in meinem Falle im Whirlpool entspannten. Eine wahre Wohltat!

Kalgoorlie-Boulder ist Australiens produktivste und größte Goldregion, und schon auf dem Weg hierher waren wir ständig an Minen vorbei gekommen. So war also die Besichtigung des ‚Super-Pits‘ Pflicht, einer Riesenmine die aus der Vereinigung der dort vorher existierenden vielen kleinen Minen hervorgegangen ist. Sie wird zurzeit noch ausgebaut, besitzt aber schon jetzt unglaubliche Maße: weit über 3km lang, 1km breit und fast 500m tief war sie ein mehr als beeindruckender Anblick. Die riesigen Minenfahrzeuge, die die Hänge rauf und runter düsten, kamen einem vor wie Spielzeugautos. Der Wahnsinn!

Letzter Blick auf den schönen See, an dem wir über Nacht gestanden hatten Das 'Super Pit'

Wir fuhren noch zu einem Rastplatz etwas westlich der Stadt, von wo es am nächsten Tag über  eine weitere unasphaltierte Piste mehr als 150km gen Süden ging, denn wir wollten einen kleinen Umweg auf unserer Fahrt an die südliche Küste in Kauf nehmen, um uns den mehr oder weniger berühmten ‚Wave Rock‘ anzuschauen, den ich von einer Postkarte, die uns mein Opa vor Urzeiten mal geschickt hatte, noch bildlich vor Augen hatte. Zwar nicht ganz so beeindruckend wie erwartet, war er den kleinen Umweg aber vor allem ob der sich uns bietenden Landschaft wert: wir waren in Westaustraliens ‚wheat belt‘ angekommen, wo es neben vereinzelten Felsformationen und Eukalyptusbäumen vor allem eins gibt: (leider bereits abgemähte) goldene Getreidefelder, soweit das Auge reicht. Was ganz anderes, als was wir bisher so gesehen hatten! Auch der Wave Rock selbst erhielt die Bewertung ‚ganz ok‘, war er zwar nicht so riesig, aber trotzdem ein sehr interessanter Anblick.

Auf der Straße gen Süden Der Wave Rock und Ausblick von obendrauf. Man bemerke den hellgrün leuchtenden See zu Tobis Rechten!

Über 8000km später - Teil 5

27April2014

Der Südwesten 18.-24.04.14

Vom Wave Rock fuhren wir noch bis fast zur südlichen Küste und im verschlafenen Nest Ravensthorpe auf den ersten Campingplatz seit dem Ayers Rock Resort – inzwischen hatten auch wirklich alle Kamera- und Handyakkus den Geist aufgegeben, und so beschlossen wir, das jetzt doch mal ein Campingbesuch fällig wurde.

Am nächsten Tag war zu unserer Bestürzung wohl Karfreitag, und so hatten alle Behörden im 50km weiter südlichen Küstenörtchen Hopetoun geschlossen und wir standen vor der Frage, wo wir denn jetzt wohl unsere Nationalparkpässe herbekämen – so bezahlt man für den Eintritt zu nur einem westaustralischen NP nämlich $12 pro Auto, ein 1-Monats-Pass, der für sie alle gültig ist, kostet jedoch nur $44 und würde sich bei den über 10 Parks, die wir zu besuchen beabsichtigten, eindeutig lohnen. So gurkten wir von einem Café zum nächsten Supermarkt und fragten uns überall durch, bis wir durch Zufall den Souvenirshop ‚Deck Treasures‘ fanden, wo uns eine sehr nette Dame sowohl Pässe verkaufen als auch free Wifi anbieten konnte, das wir sofort nutzten, um uns über Attraktionen in der Nähe zu informieren.

So wurde es wieder etwas später, bis wir endlich losfahren konnten. Zunächst führte uns unser Weg mal wieder über unbefestigte Straßen durch den Fitzgerald River Nationalpark, ein vom UNESCO anerkanntes Gebiet mit unzähligen Pflanzen-, Vögel- und Säugetierarten, der auch von der Landschaft her ein wahrer Augenschmaus war. Das erste Foto ist doch wirklich postkartenreif!

Wundervolle Szenerie im Fitzgeral River Nationalpark

Bis zur nächstgrößeren Stadt, Albany, waren es noch 200km und so stochten wir ordentlich durch, um um 10 Minuten vor 5Uhr gerade noch so ins Visitor Centre springen zu können, wo man uns endlich all unsere Fragen beantworten und mit hilfreichen Informationen versorgen konnte. Hatten wir im Outback teilweise Spritpreise von bis zu $2,50 (!!!!) bezahlt, waren die hier vorherrschenden Preise um die $1,50, wie wir sie auch aus Melbourne und von Victorias Küste kannten, eine wahre Erleichterung und wir tankten erstmal komplett und alles voll, bevor es zu einem Buschcamp 15km westlich der Stadt direkt am Strand ging.

Am nächsten Tag fuhren wir zunächst ein paar Kilometer zurück in den Torndirrup Nationalpark, einer Halbinsel direkt südlich von Albany, von dessen Küstenszenerie ich überall nur Gutes gelesen und mich so schon sehr auf den Besuch gefreut hatte. Ein Highlight waren die „Blowholes“, Löcher und Spalten im Fels direkt über dem Meer, aus denen bei starkem Wellengang Wasserfontänen mit ungeheurem Druck nach oben geblasen werden. An diesem Tag war die See zwar recht ruhig, aber es reichte, um Luftströme von solcher Intensität zu erzeugen, das sie einen fast von den Füßen rissen, wenn man sich wie wir direkt über so eine Spalte stellte. Krass! Das dabei erzeugte Geräusch ist ungeheuer laut und man erschreckt sich schon von Ferne zu Tode. Super. Auch der weniger angsteinflößende Rest der Küstenlinie war wirklich sehenswert, das Wasser brach sich an sehr rauen Klippen und besonders die Felsformationen der „Natural Bridge“ und „The Gap“, einer Kluft aus der das Wasser meterhoch herausspritzt, haben uns sehr gut gefallen.

Der schöne Strand direkt an unserem Buschcamp bei Albany Im Torndirrup Nationalpark Die toll!

Weiter ging es an der Küste entlang gen Westen, wo wir uns beim kleinen Örtchen Denmark erst einen wunderschönen Strand namens ‚Greens Pool‘ anschauten, und danach auf dem Oster-Markt lokale Erzeugnisse, Kunst und Livemusik genossen. Denmark ist schon im Reiseführer als etwas alternative Gemeinde beschrieben und so wimmelte der Markt nur so vor Hippies und anderen Gestalten und es herrschte eine sehr ausgelassene Stimmung, die Leute tanzten zwischen den Ständen und jeder schien sich prächtig zu amüsieren. Wir ließen uns anstecken und waren begeistert.

Greens Pool bei Denmark

Eigentlich hatten wir am gleichen Tag noch viel weiter nach Westen kommen wollen, der Markt war jedoch nicht eingeplant gewesen und so schafften wir es nur so gerade noch rechtzeitig zum „Valley of the Giants“ ca. 50km weiter westlich, wo eine kleine Wanderung anstand. Inzwischen hatten wir nämlich die Region der „Southern Forests“ erreicht, die durch riesige Wälder von unglaublich hohen Karri Bäumen gekennzeichnet ist. In diesem Tal mit besonders großen Exemplaren ist der „Tree Top Walk“ eingerichtet, eine Art schwebende Brückenkonstruktion in 40m Höhe, die über 600m durch die Baumwipfel führt. Diese war uns mit $15 pro Person jedoch zu teuer (dreist!), wir entschieden uns daher für den kostenlosen ‚Ancient Empire‘ Boardwalk, der auf dem Boden durch das Tal führte und mit Spaziergängen durch Baumstämme etc auch sehr attraktiv war.

Blick in die Wipfel im Valley of the Giants Spaziergang durch einen Baum auf dem Ancient Empire Walk

 Ich hatte etwas weiter ab von den normalen touristischen Wegen die ‚climbing trees‘ entdeckt, besonders hohe Karri Bäume, die früher im Falle eines Buschfeuers als Aussichtspunkte für die Waldarbeiter, Rettungskräfte und Ranger gedient haben, um einen Überblick zu bekommen und das Feuer lokalisieren zu können. Dies wird heutzutage natürlich nicht mehr gemacht, aber drei dieser Bäume sind nun für die Öffentlichkeit zugänglich und wer mutig genug ist, kann die 70m (!) bis zur Plattform im Wipfel über spiralförmig in den Stamm geschlagene Stahlsprossen für spektakuläre Ausblicke hochklettern.

Wir übernachteten kurz vor Shannon auf einem Parkplatz an der Straße, von wo aus ein unbefestigter Waldweg zum ‚Dave Evans Bicentennial Tree‘ im Warren Nationalpark führte, welcher von den drei Kletterbäumen der höchste ist und zudem fast genau auf unserer Strecke lag. Eigentlich hatte ich ihn als unsere Alternative zum Tree Top Walk konzipiert und wir waren beide sehr motiviert für den Aufstieg, als wir jedoch schließlich unter dem Baum standen und die Köpfe in den Nacken legten, und uns klar wurde, wie unglaublich HOCH das ist, wurde gerade mir doch ein wenig mulmig. Ein paar Waghalsige waren schon oben, die meisten anderen – und es waren generell nicht besonders viele Leute da, wie gesagt, es ist nicht wie der Tree Top Walk die typische Touriattraktion – machten jedoch nur Fotos von unten und feuerten die Kletterer an. Beherzt machten wir uns an den Aufstieg zur ersten, 25m hohen Plattform – und mir drehte sich der Magen um: ohne Sicherheitsnetz nach unten (ein sehr grobmaschiges Netz war an der Seite angebracht, wofür auch immer das gut sein soll – wenn ich abrutsche und nach unten falle, hilft es mir ja herzlich wenig) oder irgendeine andere Form der Absicherung auf dünnen Metallstangen am Stamm entlang fast vertikal nach oben zu klettern, war schon alles andere als ein Kinderspiel. Mir wurde total schwindelig und ich hatte eigentlich schon auf halbem Weg zur unteren Plattform beschlossen, danach sofort wieder runter zu klettern, aber wie man mich kennt: ich hatte mir nun mal in den Kopf gesetzt, nach oben zu kommen, und so war ich viel zu stolz, um einfach den Rückzug anzutreten. Ich folgte also einem total konsternierten Tobi in die Baumkrone, von der sich uns eine wunderschöne Aussicht auf das umliegende Blätterdach und weit ins Land bot. Herrlich! Der Abstieg wurde fast noch schlimmer als der Aufstieg, es hatte nämlich angefangen zu regnen und rutschige Sprossen nach unten zu klettern brachte uns gehörig ins Schwitzen. Als wir wieder sicheren Boden unter den Füßen hatten, feierten wir unseren Triumph über Baum und Höhenangst mit einem wohlverdienten TimTam, bevor es weiter gen Westen ging.

DER Baum!! Auf geht's Der Blick von oben: unbezahlbar! Und sicherlich besser als der vom 15$ Tree Top Walk ... ;) Blick auf Joey, ganz klein da unten Because Im happy :D

Wir fuhren wieder ans Meer, um uns die im Reiseführer viel gerühmte Küste zwischen Cape Leeuwin und Cape Naturaliste anzuschauen, waren jedoch etwas irritiert, als man auch dort hauptsächlich Wald sah. Dieser war zwar wunderschön, aber wir hatten uns irgendwie eher etwas Great-Ocean-Road-mäßigeres erwartet. Naja.

Ausblick von der vermeintlichen Küstenstraßeehm.

Durch die Margaret River Region, Westaustraliens beste und in meinem Lonely Planet vom Autor als Australiens attraktivste Weinregion beschrieben, ging es nach Busselton, wo wir endlich wieder auf einen Camping fuhren. Die Preise konnten sich ob der Schulferien und der aufgrund der Nähe zu Perth großen Beliebtheit dieser Region bei Urlaubern  zwar sehen lassen, wir waren aber trotzdem guter Dinge: Die Weintour im Barossa Valley hatte uns beiden so großartig gefallen, das wir für den nächsten Tag eine weitere durch die Margaret River Region gebucht hatten.

Und auch diese enttäuschte uns nicht: Wieder war es nur eine kleine Gruppe mit einer dreiköpfigen australischen Familie und einem deutschen Pärchen mittleren Alters (das uns ehrlich gesagt ein wenig mit seiner unbeholfenen, seltsamen Art auf die Nerven ging), die Fahrerin war wieder total nett und diesmal besuchten wir sogar 5 Weinereien, von denen die erste definitiv die beste war. Die Weine waren zwar wohl laut Tobi auf’s Ganze gesehen nicht so durchweg erstklassig wie sie es im Barossa Valley gewesen waren, doch die Atmosphäre und der zusätzliche Besuch einer Brauerei, wo es Lunch gab, und einer Olivenölfabrik mit Gourmetkostproben waren dennoch fantastisch.

Die nette Fahrerin Susan mit dem Tourbus (und der deutsche Typ, der mit auf's Foto wollte) Die erste (und beste) Weinerei: 'Happs' Lunch mit unserer Herde Beertasting: ganz in unserem Sinne Die Olivenölfabrik Hier fühlt er sich pudelwohl ;) ... :D

Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen, fuhren erst nochmal selbst zu der Olivenölfabrik und nahmen uns Zeit zum Probieren aller Produkte, bevor wir den Nachmittag am mehr oder minder berühmten Busselton Jetty, mit 1,8km dem längsten Holzsteg der Südhalbkugel, mit Angeln (außer einem alten Vorfach inklusive verrosteter Haken keine größeren Fänge zu verzeichnen.. aber Tobi schlägt sich gut!) und am Strand verbrachten. Um nicht noch einen Tag auf dem Camping verbringen zu müssen fuhren wir danach noch 50km bis kurz vor Bunbury an der Küste gen Norden, wo wir mal wieder auf einem Rastplatz die Nacht verbrachten.

Busselton Jetty Fischen vom Steg Der stolze Fang! :D

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, denn ich wollte unbedingt zum ‚Dolphin Conservation Centre‘, um die in den Gewässern vor Bunbury lebenden wilden Delphine zu treffen. Zwar war uns eine Bootstour mit Schwimmoption zu teuer, aber bei einem Besuch im Zentrum an der Koombana Bay nicht weit von der Stadt besteht die Chance, dass ein paar der Delfine die dortige Bucht besuchen – was sie wohl des Öfteren tun – und so setzten wir einfach mal auf unser Glück. Man muss zwar auch 10$ bezahlen, um ins Centre zu kommen, aber wenn die Delphine dann tatsächlich aufkreuzen, ist das natürlich ein Schnäppchen. Und das taten sie! Pünktlich um 8Uhr kamen wir am Zentrum an – früh morgens stehen die Chancen wohl am besten – und siehe da, nachdem wir ca. 20min in den Ausstellungen über Delfine im Gebäude verbracht hatten, wurde die ‚Delphinalarm-Glocke‘ geläutet! Zusammen mit ca 10 anderen frühmorgendlichen Besuchern eilten wir zum Strand, wo bereits drei Delphine im flachen Wasser zu Füßen der Volunteers und Ranger, die die Begegnung leiteten, herumschwammen. Es waren magische anderthalb Stunden, die wir im knietiefen Wasser stehend verbrachten, während die drei Delphine um unsere Beine schwammen und spielten. Wirklich unglaublich schön! Die Ranger waren auch vollauf begeistert, da ein so langer Besuch von auch so vielen Delphinen wohl nicht alltäglich und auch für sie etwas Besonderes war. Herrlich! 20$ well spent.

Nachdem wir den ganzen Vormittag am Conservation Centre verbracht hatten – nachdem wir noch auf dem Parkplatz gefrühstückt hatten, klingelte die Glocke ein zweites Mal und diesmal sahen wir sogar kurz eine Mama mit ihrem Babydelphin –, fuhren wir noch bis zum 50km vor Perth liegenden Rockingham, und dort auf einen Camping. Kostenlose Stellplätze waren leider in einem weiten Umkreis um Perth einfach nicht zu finden. Abends angelten wir nochmal ein bisschen vom hiesigen Steg aus, was leider mal wieder nichts zu Tage förderte, aber die Atmosphäre und der Sonnenuntergang waren trotzdem superschön.

Fischen am Bunbury Jetty

Am nächsten Tag schauten wir uns noch kurz das Kapp an, das vom ‚Shoalwater Island Marine Park‘ umgeben wird, der die dortige Küstenlandschaft schützt – und sahen zum zweiten Mal an zwei Tagen Delphine! Zwar nur von der Küste aus und nicht so nah dran, aber wir waren trotzdem begeistert. Die Landschaft selbst war auch sehr schön, aber nichts was wir nicht schon gesehen hätten.

Die Küste vom Shoalwater Island Marine Park Und schon wieder: Delphine!

Nach Rockingham fuhren wir ca. 40km bis Fremantle, eine Hafenstadt die mit dem Wachstum von Westaustraliens Hauptstadt Perth Teil der Metropole wurde, aber immer noch ihren eigenen Charakter hat. Wir schauten uns den schönen Fischerhafen an und besichtigten die ‚Shipwreck Galleries‘, wo jede Menge Artefakte und unter anderem eine halbe restaurierte Schiffshülle von den vielen an der stürmischen Küste Westaustraliens gesunkenen Schiffe ausgestellt waren.

 

Am selben Abend kamen wir noch nach Perth, wo wir jetzt immer noch sind – inzwischen den dritten Tag. Ich habe (zu Tobis Unmut) die komplette bisherige Zeit mit dem Schreiben dieses Blogeintrags und der Auswahl und Konvertierung der Fotos verbracht, wir sitzen gerade mit Free Wifi im Visitor Centre und ich kann all dies endlich veröffentlichen. Vorgestern war der 25.04., ANZAC Day – eine Art Volkstrauertag für die im Krieg Gefallenen –, es hatte also eh alles zu und über das jetzige verlängerte Wochenende gingen unsere Chancen, eine Werkstatt für die Reparatur von Joeys verlorenem Scheinwerfer und einen Ölwechsel zu finden, gegen Null. Aus unerfindlichen Gründen hat inzwischen auch unsere Zentralverriegelung von jetzt auf gleich den Geist aufgegeben – wie passiert sowas? :(

Morgen früh geht es dann los gen Norden, zunächst schauen wir uns die Westküste gebührend an und düsen dann über Darwin und den Kakadu Nationalpark im Norden rüber nach Cairns.

Wann auch immer wir das nächste Mal länger Internet haben, ich versuche– weiterhin – so oft wie möglich was zu posten und freue mich wie immer sehr über Kommentare und Anmerkungen eurerseits!

 

Ganz liebe Grüße von einer schreibmüden Hannah nach Deutschland.

Cheers!

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